Konzerte & Party

Elektronischer Sound aus Berlin

Modeselektor

Mit der Berlin Music Week hat sich Berlin gerade erst wieder als Musikhauptstadt gefeiert. Berliner und Besucher schwärmen von den nie enden wollenden Nächten, von Open Air Partys an Sonntagen, von den bekannten großen Clubs. Für viele ist Berlin immer noch die Techno-Partystadt Nummer 1: Ein Ort, an dem man glaubt, das Gefühl der Neunziger nach dem Mauerfall noch zu spüren, dieses „anything goes“.
Inzwischen ist Techno längst vom Underground zur wohl massentauglichsten Musik aufgestiegen, Berlin hat DJ-Popstars wie Paul van Dyk und Paul Kalkbrenner hervorgebracht, das Feiern boomt. Doch eins ist bei dem ganzen Hype auf der Strecke geblieben, nämlich das, was man als den typischen Berlin Sound bezeichnen könnte, einen Sound, der Berlin-Techno deutlich vom sonst maßgeblichen Detroit-Techno unterscheidet.
Nur ganz selten tauchen plötzlich Alben auf, die dem nahekommen, so wie jetzt: Ende September erscheint die dritte Platte von Mode­selektor, „Monkeytown“, und im Juni erschien „Local Jet Set“, das Debüt von The Sorry Entertainers. Die einen, Modeselektor, feiern längst internationale Erfolge und füllen große Hallen, gerade erst sind sie von ihrer US-Tour zurückgekehrt. Die anderen, The Sorry Entertainers um DJ Lotti, sind noch ein Insider-Tipp. Ihnen gemeinsam ist, dass sie es geschafft haben, ein Stück Berliner Lebensgefühl in Musik zu übersetzen, das sich von der Masse des Vierviertel-Bumbums und des Minimal-Einheitsbreis abhebt.
Modeselektor„Wir hoffen, dass wir dazu beitragen, dass die Außenwelt sieht, was Berlin eigentlich ist und wo das wahre Herz in dieser Techno-Stadt schlägt“, sagt Gernot Bronsert von Modeselektor. Sebastian Szary nickt. Die beiden sind im Osten Berlins aufgewachsen. Nach dem Mauerfall ließen sie sich treiben in der wiedervereinigten Stadt, in diesem Biotop aus leer stehenden Gebäuden und mit den die Freiheit auskostenden Menschen. Berlin der Neunziger war der perfekte Nährboden für die Entstehung von Techno, von elektronischer Musik. „Das war ein einziges Abenteuer damals. Mit dem normalen Alltag hatte das nichts zu tun“, sagt Bronsert. Kennengelernt haben sich die beiden 1995 auf einer Party, seitdem treten sie gemeinsam auf, experimentieren mit neuen Technologien, probieren ihre Ideen live aus. Nach mehreren EPs und Remixen erscheint 2005 ihr Debüt „Hello Mom!“ auf Ellen Alliens Bpitch Control. Mittlerweile veröffentlichen sie auf ihrem eigenen Label. Auf all ihren Alben vereinen Modeselektor unterschiedlichste Musikstile: Techno, Electronica, HipHop, Dubstep und Rave. Tanzbare, basslastige Clubhits wechseln sich ab mit eher ruhigen Tracks. Das gilt besonders für ihre neueste Platte „Monkeytown“. Bei den Tracks „Evil Twin“ oder „German Clap“ möchte man mit den Händen gen Himmel gereckt tanzen, man denkt an dunkle Keller-Locations, man denkt aber auch an so Clubs wie das Berghain. Zu dem Song „This“ hingegen möchte man mit dem Fahrrad in der Dämmerung durch die Stadt fahren oder mit einem Bier am Kanal sitzen. Die Stimme von Radiohead-Frontmann Thom Yorke, dazu eine sanfte Melodie, ist die perfekte Begleitung für einen lauen Berliner Sommerabend. Und dann wiederum erinnert „Monkeytown“ irgendwie auch an L.A., an dicke schwarze Autos, aus denen fette Beats dröhnen, wie bei „Humanized“, ein Song, den Bronsert und Szary zusammen mit den Jungs vom Anti-Pop Consortium produziert haben.

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