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Element of Crime: Interview zur neuen Platte

Element of Crime

tip Herr Ilja, 1984 haben Sven Regener und Sie sich kennengelernt. Hat er sich in den 30 Jahren sehr verändert?
Jakob Ilja?Ja. Er ist älter geworden. Ich aber auch. (lacht)

tip Dagegen könnte man meinen, der Icherzähler in den Songs würde nicht altern. Immer noch derselbe Anfang-40er: lakonisch, mit einiger Gezeiten-Melancholie, bisschen Liebessehnsucht, Boshaftigkeit auch, wie in dem neuen Stück „Schade, dass ich das nicht war“ …
Sven Regener?Nein, das sind immer andere Figuren. Das wäre auch schwierig, wenn ich das alles unter einen Hut bringen wollte. So viele unterschiedliche Situationen. Unterschiedliche Leute auch. Aber das ist schwer zu beschreiben. Es ist mehr ein so diffuses Bild.

tip Element of Crime wurde 1985 in Berlin gegründet. Trotzdem käme jemand, der Ihre Songs erstmals hört, doch nie auf die Idee, diese Band hätte mit Berlin viel zu tun. Stattdessen scheinen Sie vor dem Songwriting noch mal eben drei Stunden durchs Bremer Blockland spaziert zu sein …
Sven Regener?Wobei das ja auch mit einer leichten sprachlichen Färbung bei mir zusammenhängt, weil ich nun mal aus Bremen komme. Aber es gibt Songs, die ganz klar über Berlin sind. „Alle vier Minuten“, „Jung und Schön“.

tip Aber diese Zeile aus dem Album-Opener „Am Morgen danach“ – „Schiffe flussabwärts, der Nordsee entgegen“ – das ist doch schon typisch für Sie.
Sven Regener Wir haben nie besonderen Wert darauf gelegt, uns als Berliner Lokalphänomen zu hypen. Einmal, weil uns das nicht interessiert hat. Jakob ist aus Berlin, Richard aus Niedersachsen, ich aus Bremen, Dave ist aus London. Und dann war 1985, als wir die Band gründeten, ehrlich gesagt die Zeit, wo das Letzte, was man zugab, war, eine Band aus Berlin zu sein. Nach der Neuen Deutschen Welle, als die völlig kollabiert war, war das das dümmste Image, das du haben konntest.

Element of Crimetip „Lieblingsfarben und Tiere“ kommt mir sehr aufgeräumt vor. Fast heiter. Nur weiter hinten wird es kurz etwas düsterer …
Sven Regener?“Dunkle Wolken“ ist aber auch ein düsteres Lied mit Ansage!

tip Aber sonst hatten Sie wohl viel gute Laune.
Sven Regener?Man steuert das ja nicht. Man sagt nicht: Hey, wir wollen hier jetzt gute Laune. Tatsächlich ist es so: Man geht Song für Song vor. Und plötzlich steht man da und sagt: Hey, so ist die Platte geworden. Aha! Traditionell war es immer so, dass Leute zu mir meinten: Eure Musik ist immer so traurig. Gerade in den ersten Jahren. Ich habe das immer gar nicht verstanden. Ich fand die immer auch lustig.

tip Würde man Ihnen zu nahe treten, wenn man Ihnen ein nur begrenzt veränderliches musikalisches Erscheinungs-bild attestierte?
Sven Regener?Damit würde man uns sicher nicht zu nahe treten.
Jakob Ilja?Aber wir haben mit allem Möglichen experimentiert. Klar erkennt man uns wieder. Allein durch Svens Stimme.
Sven Regener?Es wäre auch schade, wenn nicht!
Jakob Ilja Das muss man sich mal vorstellen. Jede neue Platte, und man würde rätseln: Wer sind denn die? Was ist das? Da müsste man ja dauernd den Markt neu erobern.
Sven Regener?Sonst könnten wir uns ja jedes Mal umbenennen. Warum kämpft man die ersten Jahre so? Warum ringt man um einen Stil? Damit man einen Stil hat! Man würde mir eher zu nahe treten, wenn man sagen würde: Ihr habt ja gar keinen erkennbaren Stil.

Interview: Erik Heier

Fotos: Charlotte Goltermann

Lesen Sie das vollständige Interview im aktuellen tip 20/2014 auf den Seiten 74-75.

Element of Crime, Lieblingsfarben und Tiere ?(Vertigo / Universal) erscheint am ?Freitag, 26. September 2014

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