DooWop

Elise LeGrow spielt im Frannz Club

Die Kriminologin: Elise LeGrow re-interpretiert Soul-Klassiker von Chess Records

Foto: Shervin-Lainez

S-Curve-Records-Gründer Steve Greenberg, R&B-Legende Betty Wright und Studiogenie Mike Mangini produzierten 2003 die großartigen „Soul Sessions“ mit Joss Stone. „Seitdem waren wir aber nicht mehr versucht gewesen, mit irgendwem ein Soul-Album aufzunehmen“, erinnert sich Mangini, „weil uns schlicht keine Stimme dahingehend bewegte.“ Bis Elise LeGrow kam. Mit der 1987 in Toronto geborenen Sängerin soll sich nun wiederholen, was mit Stone gelang: die Etablierung mittels eines Cover-Albums, um danach eigenes Material zu veröffentlichen.

Für die elf Songs durfte der Katalog des Chicagoer Indie-Labels Chess Records herhalten, das zwischen 1950 und 1975 vor allem mit seinen Blues-, Rock-’n’-Roll- und R&B-Aufnahmen Furore machte. Die Stimme hat die studierte Kriminalwissenschaftlerin in jedem Fall: Ob sie bei ­Balladeskem wie „Over The Mountain, Across The Sea“ an Gladys Knight erinnert oder bei Soul-Noir-Nummern wie „Going Back Where I Belong“ an eine cleane Amy Winehouse – immer schwingt in ihrem nuancenreichen Organ dieses leicht raue, ja verruchte Timbre mit, das man ihrer eleganten Erscheinung gar nicht zutrauen würde. LeGrows Gespür für raffinierte Arrangements kommt vor allem bei allseits bekannten Stücken wie dem Aretha-Franklin-Titel „Rescue Me“ zum Tragen, der ihr zum Dubstepdoowop gerät. Ein Album, auf dem warmes Wiedererkennen auf anregendes Neuentdecken stößt. Ein Gewinn – Schach und Matt – in elf Zügen!

Frannz Club Di, 8.5., 20 Uhr, Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, 23,70 €

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