Konzerte & Party

EMA im Festsaal Kreuzberg

EMA

Ihre Augen sieht man fast nie, nicht auf Fotos, nicht in Videos, nicht auf der Bühne. Erika M. Anderson versteckt sie hinter den blonden Haaren, die immer ein bisschen aussehen, als hätte sie sich schnell selbst geschnitten. Auf der Bühne wirkt die Singer-Songwriterin, genannt EMA, auf den ersten Blick schüchtern, ja zerbrechlich. Doch nur, bis sie anfängt zu singen. „Fuck California, you made me boring. I bled all my blood out“, beginnt die Single „California“ ihres Debüts „Past Life Martyred Saints“. Ihrer Stimme, mal tief und rau, mal weich und hell, kann man nicht entkommen. Über ihre Texte schreibt sie auf ihrer Website: „I don’t think, I just do it. These lyrics exist somewhere between completely fucking honest and completely over the top“. „I’m just 22 and I don’t mind dyin'“, singt sie. Da ist viel Schmerz, aber vor allem viel Wut in ihren Songs. Enttäuschte Liebe, enttäuscht vom Leben, Angst. Ihre Worte bohren sich fest. Unerbittlich, wie die Musik dazu, langsam, düster, verzerrt, zuweilen disharmonisch, manchmal bis es fast nicht mehr zu ertragen ist, viel Gitarre, ein bisschen Synthesizer. Indie ja, aber nicht der Plastik-Vierviertel-Indie mit dem immer gleichen Loop in jedem Song.  Mit 18 Jahren zog die heute 28-Jährige von South Dakota nach Kalifornien. Sie ging nach Los Angeles, weil sie dachte, dass das die Stadt sei, in die man eben geht, wenn man tolle Songs schreiben will. Ihr Plan B war Kellnerin sein und kiffen. Ihre erste Band, das Drei-Mann-Drown-Folk-Projekt Gown, löste sich auf, als ihre Beziehung zu Mitmusiker Ezra Buchla in die Brüche ging. Mittlerweile lebt sie in Portland im Norden Kaliforniens und das mit dem Erfolg als Musikern hat geklappt. „Patti Smith, Nirvana, Sonic Youth, Grunge, Noise, Punk“ schreiben die Musikmagazine und feiern gar die Wiederauferstehung des Gitarrenrock. Das war schon im Mai so, noch bevor ihr Debütalbum in Deutschland erschienen war. Da gab EMA ihr erstes Berlin-Konzert in der Berghain-Kantine. Mehrmals lächelte sie verlegen ins Publikum, mit so viel Zustimmung und Applaus hatte sie wohl nicht gerechnet. Ausverkauft war die Kantine nicht, damals war EMA noch zu unbekannt. Das wird jetzt sicher anders.

Text: Katharina Wagner

EMA, Festsaal Kreuzberg, Do 22.9., 21 Uhr, VVK: 15,60 Euro

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