Konzerte & Party

Emiliana Torrini morgen in der Passionskirche

Es ist bezaubernde, somnambule Musik, die so leicht und grazil vor sich hin schwebt, als hätten wir da draußen den schönsten Berliner Sommer und nicht den gefühlt härtesten Winter seit Jahren. Ja, Emiliana Torrini hebt mit ihrer einlullenden, glockenhellen Stimme ganz erheblich die Contenance. Schon der bemitleidenswerte Gollum war im zweiten Teil der „Herr der Ringe“-Trilogie hin und weg, als er Torrinis „Gollum’s Song“ hör­te. Ihre neuen Songs, die sie ge­mein­sam mit dem Produzenten Dan Carey für das mittlerweile fünfte Studioalbum „Me & Armini“ schrieb, lässt sie zwischen plu­ckern­den Gitarren und Dancehall-Bässen geschmeidig flie­ßen, sie erlaubt Vögeln, leise im Hintergrund zu zwitschern, und verwebt kunstvoll elektronische Ornamente im folkigen Klangteppich. Damit entfernt sich die zwischen Italien, Island und Deutschland aufgewachsene und heute in England lebende Sängerin vom sparsam instrumentierten und weitgehend akus­tischen, wenn auch nicht minder bezaubernden Vorgänger „Fisher­man’s Woman“. So viel Abwechslung wie diesmal war auf einem Emiliana-Torrini-Album noch nie. Neben den heutzutage fast üblichen Spielereien zwischen Folk und Elektronik probiert sich die 31-jährige Singer/Songwriterin auch am Doo-Wop, Jazz und an epischen Geschichten, die von Leonard Cohen und Nick Cave inspiriert sein dürften. Schön, dass im prognostizierten Superkrisenjahr nicht alle Hoffnung allein an einem schwarzen Prä­sidenten hängen blei­ben muss.

Text: Jacek Slaski

Emiliana Torrini, Passionskirche, Fr 6.2., 20 Uhr, VVK: 26 Euro.

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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