Konzerte & Party

Endlich in den Läden: Das Debüt von Them Crooked Vultures

Them Crooked Vultures: Allein die Besetzung des Trios lässt die Freunde verzerrter Gitarren genüsslich mit der Zunge schnalzen, verbirgt sich hinter dem kryptischen Bandnamen doch so etwas wie das Who-Is-Who der coolsten Musiker dieser und vergangener Zeiten. Schon im Jahr 2005 hatte Ex-Nirvana-Drummer und Foo-Fighters-Sänger Dave Grohl in einem Interview verlauten lassen, dass sein nächstes Projekt aus ihm selbst besteht, sowie „Josh Homme (Queens Of The Stone Age, Kyuss) an der Gitarre und John Paul Jones (Led Zeppelin) am Bass.“
Nun hat es letztlich zwar vier Jahre gedauert, ehe man die Vorschusslorbeeren in Form eines Tonträgers auch in einem CD-Player prüfen kann, doch das Warten hat sich definitiv gelohnt. Die gerade in den letzten Jahren fast inflationär gebrauchte Bezeichnung der Supergroup (erinnert sei hier an Velvet Revolver, Audioslave oder auch The Dead Weather) ist im Falle von Them Crooked Vultures mehr als angebracht.
Klingt das Debüt der Top-Musiker beim ersten Durchgang noch ein wenig sperrig, versteckt sich das Außergewöhnliche dieser Platte im Detail. Spätestens beim zweiten und dritten Durchgang erschließen sich dann jedoch alle Einzelheiten und in Zeiten des MP3-Einzelsongdownloads wird einem schnell der Sinn eines ganzen Albums wieder bewusst: Denn „Them Crooked Vultures“ funktioniert eben vor allem als perfekt ausbalanciertes Ganzes.
Die Musiker verleugnen ihre Herkunft nicht und so klingt die CD eben mal nach Queens Of The Stone Age („Dead End Friends“), mal nach Led Zeppelin in ihren besten Zeiten („Elephant“) und dann auch wieder rotzig frech nach den Foo Fighters zu ihren Anfängen („New Fang“).
Natürlich wird der Gesamteindruck von Frontmann Josh Homme dominiert, doch lässt sich das Trio gegenseitig genug Raum für Akzente. So trommelt sich Dave Grohl auf „Bandoliers“ die Seele aus dem Leib, wie er es seit seligen Nirvana-Tagen nicht mehr getan hat. Und auch Tieftöner John Paul Jones zeigt sich mehr als aktiv, sorgt immer wieder für wohlige Stöße in der Magengegend und legt damit das Fundament der gesamten Aufnahme.
Überschrieben werden die 13 Songs selbstverständlich mit dem Wort „Rock“. Gitarre, Bass und Schlagzeug stehen im Vordergrund, doch wird Einflüssen von außen keineswegs wortlos der Zugang versperrt. „Interlude With Ludes“ klingt dank seiner ungewöhnlichen Flächen, den „La La La“-Background-Gesängen und angedeuteten Flötenklängen wie der bekiffte Trip zu einem türkischen Basar auf einem anderen Planeten. „Warsaw Or The First Breath You Take After You Give Up“ beginnt als schleppender Bluesrock, der sich über einen fast Muse-ähnlichen Pop-Refrain zur wahren Improvisationsschlacht mit echten Spacerock-Anleihen mausert.
Them Crooked Vultures legen ein Debüt ohne Schwächen und Füller hin und klingen in der Tat wie eine Jam-Session aus Queens Of The Stone Age, Led Zeppelin und den Foo Fighters – unter Mitwirkung von Nirvana, The Doors und Monster Magnet.

Text: Martin Zeising

tip-Bewertung: Herausragend

Them Crooked Vultures, Them Crooked Vultures (RCA Int./Sony Music)

Mehr über Cookies erfahren