Konzerte & Party

Enter Shikari im Lido

Enter ShikariMan muss sich „Common Dreads„, das zweite Album von Enter Shikari, gar nicht lange anhören. Die unglaubliche Besessenheit dieser Band schreit einen schon nach wenigen Akkorden an. Im Song „Solidarity“ hetzt die Band aus der Londoner Vorstadt St. Albans erst mit Hardcore-Punk-Hektik über den Trance-Techno-Parcours, ehe ihr in Gegenwart eines gregorianischen Chors plötzlich besinnlich zumute wird. So etwas hatten Muse auch im Programm, als sie letztens mal wieder bombas­tisch aufspielten. Enter Shikari wirken im Vergleich dazu viel aggressiver, entschlossener und wagemutiger. Sie mischen scheinbar alles in ihr Reper­toire, was gang und gäbe ist: Drum’n’Bass, Dubstep, hysterische Cure-updates, martialischer Metal, Britpop, Folk und sogar Jazz-Funk. Ausgerechnet bei einer noch nicht so erfahrenen Band wie dieser führt der wilde Ritt nicht zu Harakiri.
Fleißige Konzertgänger wissen, dass Enter Shikari gerade erst in Berlin zu sehen waren, im Vorprogramm von The Prodigy. Diese Paarung machte musikalisch gesehen absolut Sinn. Was das intellektuelle Potenzial betrifft, trennen die beiden Bands dagegen Welten. Enter Shikari veranstalten ein Heidendonnerwetter, aber sie tun es nicht ohne Hintergedanken. Krieg, Globalisierung und Kapitalismus bringen sie in Rage, aber es artet nicht in sinnlosen Krawall aus. Bemerkungen zum Umgang mit der Umwelt hören sich bei ihnen wie ein Reporterresümee zum misslungenen Klimagipfel in Kopenhagen an. Der Tonfall von Sänger Roughton Reynolds variiert dabei stark. Mal schreit er wie am Spieß, mal referiert er besonnen wie Mike Skinner von The Streets. Letzt­endlich ist es aber gar nicht wichtig, wie er es sagt. Entscheidend ist, dass sich überhaupt mal einer traut, etwas zu sagen.

Text: Thomas Weiland

Enter Shikari, Lido, Fr 15.1., 20 Uhr, VVK: 23 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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