Konzerte & Party

Erdmöbel im Lido

ErdmöbelDer einhellige Zuspruch, den das Münsteraner Quartett mit Wohnsitz Köln im letzten Herbst für sein sechstes Album „Krokus“ bekam, erweckte den Eindruck, dass einige Laudatoren den Großteil der bis ins Jahr 1996 zurückreichenden Erdmöbel-Vorgängerwerke bislang versäumt haben. Denn selbst wenn in den Anfangsjahren die E-Gitarren präsenter waren, begann doch bereits das Erdmöbel-Debüt „Das Ende der Diät“ mit Posaunenchören, die dem Studiosound der späten Beatles Referenz erwiesen. Umgekehrt belegt das für die 18-teilige „Retrospektive“ frisch eingespielte Stück „Krähen“, dass Markus Berges (Gesang, Gitarre), Ekimas (Bass, Produktion), Proppe (Piano) und DeWueb (Schlagzeug) immer noch imstande sind, kraftvolle Rocknummern zu kreieren.
Und auch wenn man die damalige Selbsteinschätzung des Erdmöbel-Texters („Ich bin wohl mehr so ein Klaus-Lage-Typ“) nicht teilen muss, lässt sich auch heute noch erkennen: Je fein gestrickter das musikalische Gewand, desto größer die Diskrepanz zum ungeschliffenen Gesang. So sehr auf „Krokus“ Berges’ Wortakrobatik – die manchmal an Ernst Jandl erinnert – und sein Gespür für Hooklines überzeugen, stellt sich auf Albumlänge doch schnell der Elvis-Costello-Effekt ein und die Expressivität des Sängers wirkt penetrant anstrengend. Die Auswahl auf „Retrospektive“ ist aber abwechslungsreich genug, um jene Gefahr in Schach zu halten – sieht man einmal von der verunglückten Spoken-Word-Suade „Busfahrt“ ab. Ob der Instant-Stimmungsaufheller „Das Leben ist schön“ allerdings dadurch gewinnt, wenn er live zur Mitklatsch-Nummer auserkoren wird, sei dahingestellt.

Text: Markus von Schwerin

Erdmöbel + Friedemann Weise, Lido, Fr 30.9., 19 Uhr, VVK: 19 Euro

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