Konzerte & Party

The Unthanks im Postbahnhof

The UnthanksWer Folk sagt, muss auch Folk meinen. Wobei sich der hippieske, amerikanische Folk von Fleet Foxes & Co. zum Englischen wie die Operette zur Oper verhält. Eindrücklich zeigen dies The Unthanks (Foto links) aus dem Nordosten Englands mit ihrem Geordie-Akzent und den Vintage-Kleidern. Seemänner und einsame Frauen bevölkern ihre minimalen, spröden Songs und die kehligen Harmonien. Keine Sing-alongs, keine Tanzäffchenmusik, traditionelle Instrumente wie die Fiddle und das Dulcitone passen sich ein in modern anmutende Arrangements, Becky und Rachel Unthank zelebrieren respektvoll die Tradition gepaart mit ihrer jetztzeitigen Auffassung von Schönheit.
„Erfolg hat viele Gesichter. Aber Schönheit stellt für jeden Einzelnen ein Begriff dar. Lasst uns das Wort Erfolg durch Schönheit ersetzen“, so sieht es Scott Avett, und trifft damit das Anliegen der neuen Aufrichtigen. Den eigenen Emotionen verpflichtet sein, gebrochene Herzen erkennen, Werte haben und leben, Ironie und Sarkasmus vermeiden und einer Realität mit medialem Overkill und den Ga-Ga-Galionsfiguren des Konsumismus widerstehen. Hehre Ansprüche, die nicht neu sind; auch andere Folkbewegungen der Geschichte waren von moralischen Ansprüchen befeuert. Die aktuellen Bands sind vielleicht nicht explizit und offensichtlich politisch, aber sie erobern mit aller Macht das empfindsame Subjekt zurück, und sei es, indem sie sich wie die Band Midlake in höchsten Flötentönen und like-punk-never-happened der Naturbetrachtung widmen. Oder wie es ein anderer, wiederentdeckter Held formuliert, der englische Dichter John Keats: I am certain of nothing but the holiness of the heart’s affections and the truth of the imagination. So klingt Revolution in überreizten, abgestumpften Zeiten.

Text: Christine Heise

The Unthanks, Postbahnhof, Mi. 21.4., 21.00 Uhr, VVK: 12 Euro


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