Konzerte & Party

Erik Cohen im Musik und Frieden

Erik Cohen

Bei Smoke Blow war Erik Cohen auch schon eine Rampensau. Nur nannte sich der große, schlaksige Tätowierte damals noch Jack Letten und seine Band spielte dreckigen Hardcore. Bis vor fünf Jahren, als der Kieler Sänger seine Band auflöste, um „nach einer neuen Wahrhaftigkeit zu suchen, dem wirklichen Ausdruck“, wie er sagt. Ein langer, auch schmerzlicher, vier Jahre währender Prozess. „Die neuen Stücke waren ja gut, aber ich hab mich gefragt, warum mir das trotzdem nicht gefällt – es war die Sprache.“ Cohen begann in seiner Muttersprache zu singen. „Da kannst du dich mehr drin verlieben, weil du garantiert eine Zeile finden wirst, die dich total kickt, die dich genau ins Herz trifft.“
Letztes Jahr erschien Cohens erstes Solo-Album „Nostalgie für die Zukunft“. Und er sollte Recht behalten. Da gab es zähfließenden, düsteren Gitarrenrock, der sich aus Inspirationsquellen wie The Cult oder dem frühen Lindenberg nährt und über dem mitreißende Bilder von endlosen Autotouren („Chrom“) und ein schwerer maritimer Einschlag („Kapitän“) liegen. Kein Wunder, Cohen blickt von seiner Wohnung aus direkt auf den Nord-Ostseekanal und in die Kieler Förde. „Wenn ich morgens aufstehe, mach ich mir erst mal einen Kaffee und gucke lange auf den Kanal. Auf die Schleusen. Auf die großen Schiffe. Das ist der Grund, warum das so einen maritimen Einfluss hat. Ich bin jetzt kein Segelheini oder Surfer.“
Er ist ein Rocker. Nicht so eine Klischeefigur mit Feinripp-Shirt unter der Motorradlederjacke; er strahlt diese selbstgewisse Langsamkeit, dieses eigenen Tempo aus, das er niemandem anpassen muss. Stoisch wirkt er auch, das verdankt Cohen sicher seinem Beruf als Kindergärtner, den der Vater von vier Kindern seit 17 Jahren ausübt. Zweimal wollte er in dieser Zeit wegziehen aus Kiel. Einmal nach Hamburg und einmal nach Berlin. Gut, dass es nicht geklappt hat. „Vor allem jobtechnisch. Ich habe ja ein funktionierendes System bei mir zu Hause. Eine Arbeit, die ich mit der Musik verbinden kann. Heute sind die Eltern ja eh Punkrockorientiert. Die haben Verständnis, wenn ich mal eine Weile auf Tour gehe.“
Aber es muss sich halt tragen, „so, dass du nichts draufzahlen musst. Und wenn du ein paar Leute hast, die deine Platte kaufen, dann kannst du auch eine nächste machen.“ Mit dem Debüt war dies der Fall. Und deshalb steht jetzt die zweite Platte „Weißes Rauschen“ in den Läden. Auch wieder satter Rock. Stoisch, selbstgewiss und gut.

Text: Hagen Liebing

Foto: Achim Raschka / CC-BY-SA-4.0

Erik Cohen, Musik und Frieden, Falckensteinstr. 48, Kreuzberg, Fr 15.1., 21 Uhr, VVK: 14 Euro zzgl. Gebühr   

Mehr über Cookies erfahren