Konzerte & Party

Erik Penny auf dem Badeschiff

Erik Penny

Als Erik Penny vor drei Jahren die Koffer packte und nach Berlin zog, gab es eine Wunschliste. Ein Riesenwohnzimmer stand ganz oben, groß genug, um darin ein Rad zu schlagen. Vom Großstadtleben in den überteuerten Metropolen Amerikas, zuletzt in Los Angeles, hatten der Songwriter und seine Frau, eine deutsche Fotografin, genug.
In Kreuzberg angekommen, fand das Paar den perfekten Ort: Altbau, Stuck, knarzendes Parkett. Dort steht seither nicht mehr drin als das, was Penny auch flott wegräumen kann. Dann nämlich, wenn er zur „Sofa Session“ einlädt und der Privatraum zur Bühne wird. Im vergangenen Sommer nahm er an zwei Tagen zusammen mit seiner Band in seinem Wohnzimmer ein Live-Album auf, das er dann auch sinnigerweise „Live At The Sofa Sessions“ betitelt hat. Im Powerpop-Ohrwurm „Side of The Road“ etwa singt das Publikum, immerhin 40 Leute lauschten der Wohnzimmer-Aufnahme, so kann man es auf der digital veröffentlichten CD hören, gern lauthals mit. Die intime Atmosphäre kommt der Musik des Mannes mit der starken, angerauten Kehle und der Buddy-Holly-Brille zugute. Leichtgängig sind seine Songs mit ihren prallen Melodien und der warmen Instrumentierung um die Akustikgitarre. Die Texte aber sind nachdenklich, drehen sich oft um die Ambivalenz der Vergänglichkeit, in spürbar persönlichen Zeilen. In „Side of The Road“ etwa geht es darum, L.A. hinter sich zu lassen, „Honey Please“ schildert Szenen einer Ehe, „Bend“, der Titelsong des aktuellen Studioalbums von 2010, besingt das Kunststück, flexibel zu sein, ohne sich zu verbiegen. In der U-Bahn hat Penny seine Songs schon gesungen, auf der Admiralbrücke oder im Vorprogramm der befreundeten Band Madsen – und natürlich zu Hause auf dem Sofa neben Klavier und Lampenschirm. Typisch berlinerisch ist das, kommt aber mit einer Ladung rollender Harmonien daher, wie man sie eher mit der US-Westküste verbindet, Sängern etwa wie Gus Black oder Eddie Vedder. Mit dem Badeschiff und seinem Wasser-und-Sand-Ambiente ist dafür auch wieder ein perfektes Setting gefunden.

Text: Ulrike Rechel

Erik Penny, Badeschiff, Mi 27.7., 21 Uhr, AK: 4 Euro (bei schlechtem Wetter im Arena Glashaus)

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