Konzerte & Party

Erykah Badu im Tempodrom

Erykah BaduAb und zu kommt eine Person daher, die von heute auf morgen alles umwirft. Vor vierzehn Jahren war diese Person Erykah Badu. Damals sprachen alle, und zwar wirklich alle, Soul-Fans nur von ihr. Der Grund war „Baduizm“, ein Debüt für die Ewigkeit. Alles daran stimmte. Schlürfende HipHop-Beats und ein entspannter Gesang mit Jazz-Touch und Räucherstäbchen-Aroma zeigten, wie gut sich traditionelle Einflüsse mit denen aus der Gegenwart in Einklang bringen lassen. Mit ihrem afrikanisch angehauchten Look war Badu zudem ein echter Blickfang.
Nach dem perfekten Start ist die Karriere der Texanerin allerdings etwas unrund verlaufen. Zum Teil hat das private Gründe, drei Kinder können eine Mutter ganz schön in Beschlag nehmen. Aber das ist keine Erklärung dafür, warum es mit ihren Alben hier und da hakte. Ein Problem war vor allem das Album „Worldwide Underground“ aus dem Jahr 2003. Damals war Badu geradezu darauf erpicht, auf einer eigenen „Freakquenz“ zu funken, wie sie es nannte. Den Neo-Soul, der sie groß gemacht hatte, erklärte sie auf dem Cover explizit für tot. Das war ein Affront, auch deshalb, weil sie keine Alternativen dazu anbot.
Vergeben und vergessen. Mit den beiden Alben aus der „New Amerykah“-Reihe hatte Badu im Jahr 2008 wieder in die Spur zurückgefunden. Der erste Teil „4th World War“ war bissig, von Kritik an politischen und gesellschaftlichen Zuständen geprägt und passte zur Bush-Ära. „Return Of The Ankh“, der zweite Teil, ist das Obama-Album. Liebe ist als Thema allgegenwärtig, Anspielungen auf den Soul der Siebziger sind unüberhörbar. Einen so guten Song wie „Gone Baby, Don’t Be Long“ hat es von ihr lange nicht gegeben und den warmen Vibe von „Baduizm“ muss man auch nicht lange suchen. Damit hat die Südstaatlerin vielleicht nicht gleich wieder alles über den Haufen geworfen. Aber sie hat auf eindrucksvolle Weise bestätigt, dass sie als Künstlerin die hohe Schule vertritt.

Text: Thomas Weiland

Erykah Badu, Tempodrom, Mi 3.8., 19 Uhr, VVK: 52 Euro (Stehplatz), 62/72 Euro (Sitzplatz)

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