Konzerte & Party

„Exzesse“ von Hagen Liebing

Big News: Am Checkpoint Charlie soll bis zum Jahr 2020 das erste Hard Rock Hotel Deutschlands unter Federführung des Büros Graft entstehen. Eine noble Absteige für Musiker mit immerhin 372 Zimmern, einem großen Ballsaal und Rock-Star-Suiten, die eigens unter der sachkundigen Beratung der Scorpions und Black Eyed Peas entstehen sollen.
Was könnte man da so alles drin unterbringen, bedenkt man die einschlägigen Zeitvertreibe der Rock-Reisenden, wie sie sich in deren Biografien regelmäßig finden. Einen für Passanten sicheren Abwurfplatz für Farbfernsehgeräte unter den Zimmerfenstern etwa, oder eine breite Rampe in den Swimming Pool, über die man bequem seine Mietlimousine unter Wasser setzen kann, natürlich auch ein Kondomautomat direkt neben der Minibar. Der Fantasie sind eigentlich keine Grenzen gesetzt, wo doch die Wirklichkeit bislang ganz anders aussieht. Die eigens etikettierten Rock-Hotels, die ich bislang besucht habe, zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass ihre Tische und Stühle am Boden festgeschraubt waren und das Bett nichts weiter war, als eine ebenfalls wurfsicher verankerter Holzverschlag mit Matratze.
Was aber die Energie zum Über-die-Stränge-schlagen betrifft – es waren nach meiner Beobachtung eigentlich selten Musiker, die richtig Alarm gemacht haben, sonders vielmehr die Handelsreisenden, die regelmäßig weg waren von zu Hause und sich dann alle Freiheiten nahmen. Vielleicht sollte man sich doch besser auf deren Bedürfnisse konzentrieren.

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