Konzerte & Party

Faith No More in der Zitadelle Spandau

Faith No More

Wir schreiben das Jahr 2015: In den Plattenläden und auf den Downloadportalen dieser Welt erscheint ein Album mit einem seltsamen Schwarz-Weiß-Foto als Cover. Ein Junge mit Jutesack über dem Kopf und nur einer Art Windel bekleidet, daneben in großen, goldenen Lettern der Schriftzug: Faith No More. Dass die Band um Frontmann Mike Patton sich selbst für eine der größten Kapellen des Universums hält, wissen wir nicht erst seit dem schlichten Titel des bisher letzten Longplayers aus dem Jahr 1997.  „Album of the Year“ hieß das damals. Und die Tatsache, dass die CD eben genau dies damals nicht war, zeigte die Tragik der Geschichte dieser Band. Was als Album des Jahres angekündigt wurde, war in Wirklichkeit der Tiefpunkt im Bemühen, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.
Dass die Latte der eigenen Ansprüche ziemlich hoch lag, dafür hatte das Quintett aus San Francisco fünf Jahre zuvor selbst gesorgt. Das 1992 erschienene Album „Angel Dust“ definierte den Begriff des Crossover neu, löste alle Genre-Grenzen auf und machte vieles, was im weiteren Verlauf des Jahrzehnts dann unter dem Begriff „NuMetal“ noch kommen sollte, überhaupt erst möglich. Diese Platte war das Meisterwerk, an dem die Band schließlich zerbrechen sollte. Der Fluch der eigenen Tat, denn mit jedem weiteren Album ging das Vertrauen in die eigenen Bandkollegen mehr und mehr verloren und fast folgerichtig ging man schließlich getrennte Wege. Frontmann Mike Patton bat sogar höflichst darum, man möge ihn erschießen, würde er jemals wieder mit Faith No More auf der Bühne stehen.
Eine Bitte, der zum Glück niemand entsprochen hat, denn dann würde der gute Mann seit nunmehr sechs Jahren unter der Erde liegen. Auf der Hochzeit von Keyboarder Roddy Bottum hatte man sich im Jahr 2009 wieder getroffen und gemeinsam in Erinnerungen geschwelgt – nur wenig später standen sie wieder gemeinsam auf der Bühne.
Sechs Jahre später und 18 Jahre nach der letzten Platte nun also das insgesamt siebte Studioalbum – zu dessen Aufnahmen Gerüchten zufolge Shouter Patton in einer alkoholschwangeren Nacht überredet werden musste. Dennoch: Die alten Männer können es noch. „Sol Invictus“ ist eine Platte, die ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein scheint, sperrig und mitunter düsterer als die Vorgänger. Eine Platte, auf der Piano und Mundharmonika mit fetten Gitarrenbrettern harmonieren und auf der vor allem Sänger Mike Patton endlich wieder zu Höchstform aufläuft. Mal schreit der Mann als gäbe es kein Morgen, mal winselt er, um dann im nächsten Moment beschwörend zu flüstern und letztlich dann im Stile einer Opernarie Frohsinn zu schmettern. Das mag zunächst verstören, ist letztlich jedoch genau der rote Faden, den Faith No More nach „Angel Dust“ scheinbar für immer verloren hatten. ?Hoffnung auf weiterführende Pläne der Band will Frontmann Patton indes nicht nähren. In einem Interview gegenüber dem US-amerikanischen „Billboard“-Magazin sagte er: „Wir sind alte Männer, wir planen nichts mehr, sondern wir gucken von Tag zu Tag. Wir haben keinen Plan nach diesem Album und dieser Tour.“

Text: Martin Zeising

Foto: Dustin Rabin

Faith No More, Zitadelle Spandau, Am Juliusturm 64, Spandau, Sa 6.6., 19 Uhr, ?VVK: 40 Euro zzgl. Gebühr

VERLOSUNG
Für das Konzert am Samstag (6.6.) verlosen wir 5×2 Gästelistenplätze. Einfach bis Freitag (5.6) um 10 Uhr eine Mail an [email protected] schicken. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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