Konzerte & Party

Fällt aus!!! – Here We Go Magic im Roten Salon

Here We Go Magic

Irgendwann im Leben kommt der Zeitpunkt, an dem sich alles ändert und an dem sich eine Gelegenheit bietet, die man ergreifen muss. Für Luke Temple ergab sich diese Gelegenheit während des vorletzten Winters. Ein gewisser Nigel Godrich hatte sich ein paar Tage für den Sänger und seine Band Here We Go Magic in seinem Terminkalender freigehalten. Godrich und sein bester Freund und Klient, Radiohead-Sänger Thom Yorke, waren beim Auftritt von Here We Go Magic auf dem englischen Glastonbury-Festival im Sommer 2010 ganz aus dem Häuschen gewesen. Wenig später wollte Godrich, der auch als Produzent von Travis oder Beck bekannt ist, der amerikanischen Band, die bereits einen gewissen Kultstatus nachweisen kann, unter die Arme greifen.
Völlig aus allen Wolken fiel Luke Temple also nicht, als Nigel Godrich im Winter vor zwei Jahren auf ihn zukam, er wusste ja um die Sympathien des Briten. Aber dann war doch alles gar nicht so einfach: „Wir hatten gerade eine Tour beendet, und ich hatte keine neuen Songs auf Lager„, erinnert sich Temple. „Also mussten wir schnell welche vorbereiten. Es war unglaublich kalt, wir mussten durch den Schnee stampfen, um zu den Proben zu kommen. Niemand von uns hatte Geld, der Raum war nicht beheizt und alle waren schlecht drauf. Am Ende sind wir mit etwa zwanzig Songs zu Nigel nach L.A. geflogen, wo sich dann herausstellte, dass nur zwei davon wirklich brauchbar waren.“ Zu diesem Zeitpunkt dachte Temple, dass „ich die Chance meines Lebens wie meinen Stuhlgang heruntergespült habe“.
Zum Glück verfügt Godrich über genügend Erfahrung, um so eine Situation einschätzen zu können. Er weiß, dass die Dinge nicht immer auf Knopfdruck funktionieren. Also machte er mit der Band einen neuen Termin in London aus, wo Here We Go Magic besser vorbereitet anreisten und alles wie am Schnürchen lief. „Manchmal ist Reibung hilfreich, wenn man zum Erfolg kommen will“, sagt Temple. Auch der Musiker hat einiges an Erfahrung vorzuweisen. Er ist ein Kind der New Yorker Antifolk-Szene, aus der auch Adam Green oder Jeffrey Lewis hervorgegangen sind. Lose aufeinanderfolgende Konzerte gaben Temple die Möglichkeit, sich ohne kommerziellen Druck als Sänger und Songschreiber in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dann veröffentlichte er als Solokünstler einige Platten mit akustischer Musik. 2008 gründete er die Band Here We Go Magic, die jetzt mit dem von Godrich produzierten Album „A Different Ship“ ihren vorläufigen Höhepunkt erlebt. Die Mischung aus Temples falsettierter Stimme, stur geradeaus gehenden Rhythmen wie im Krautrock und psychedelischem Grundgefühl stimmt jetzt. „Man soll das Gefühl haben, dass man diese Band immer wieder neu entdecken muss“, sagt Temple. „Ungewöhnliche Sounds, seltsam krumme Dinger mit Melodie und einfach alles, was aus dem Rahmen fällt, sind uns als Band willkommen.“ Uns als Fans auch.

Text: Thomas Weiland

Foto: Christian Felber

Das Konzert ist krankheitsbedingt verschoben worden. Der neue Termin ist Montag, der 12.11.2012 im Comet Club. Einlass ist dann um 20 Uhr, Konzertbeginn um 21 Uhr. Bereits gekaufte Tickets bleiben gültig!

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