Konzerte & Party

Fällt leider aus: Lucas Santtana im Privatclub

Lucas Santtana

Für Lucas Santtana waren die Demonstrationen in Brasilien eine längst fällige Antwort auf die falsche Politik des Landes. „Die brasilianische Mittelschicht hat endlich erkannt, dass die politische Klasse nichts tut und nur darauf aus ist, sich selbst zu füttern. Veränderungen kann es nur geben, wenn die Bevölkerung Druck macht“, wird er auf einer Website von MTV zitiert. Santtana ist an sich kein politischer Songschreiber. Bei der Arbeit an seinem letzten Album „The God Who Devastates Also Cures“ ging es ihm vorrangig darum, die Scheidung von seiner Frau zu verarbeiten. Einen Protestsong konnte er sich aber nicht verkneifen. „Now No One Has Anything“ entstand unter dem Eindruck der Aktivitäten der Occupy-Bewegung. Santtana ist offen für vieles. In seiner zehnjährigen Karriere hat er die folkloristischen Klänge aus seiner Geburtsstadt Salvador genauso einfließen lassen wie den Baile Funk aus Rio. Auf seinem vierten Album „Sem Nostalgia“, das ihn hierzulande bekannter machte, hört man die Einflüsse der brasilianischen Musiklegenden Gilberto Gil und Caetano Veloso. Mit seinem Trennungsalbum bestätigt Santtana, warum ihn viele für einen der wichtigsten Künstler in der neueren lateinamerikanischen Musik halten. Egal, ob er sich die elektronische Musik Europas, Afrobeat, jamaikanischen Dub, Kammermusik oder Rock zum Vorbild nimmt: Immer passt es. Brasilianische Musiker werden ja gerne mitten im Sommer nach Berlin geholt, weil man glaubt, dass sie die Lust auf Sonne, Strand und Tanz untermalen. Diese Sichtweise ist arg eingeengt. Einer wie Santtana ist in allen Jahreszeiten und von vielen Seiten aus betrachtet relevant.

Text: Thomas Weiland

Lucas Santtana, Konzert fällt aus.

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