Konzerte & Party

Fela Kuti – „The Best of the Black ­President 2“

Fela_Kuti_Photo_Credit_Bernard_MatussiAls Musiker hielten ihn viele lange Zeit für einen Scharlatan, Frauenrechtlerinnen warfen ihm seine Vielweiberei vor und Gesundheitsapostel den demonstrativen Marihuana-Konsum. Ganz besonders unbeliebt war Kuti jedoch bei der herrschenden Klasse in Nigeria. Denn dieser äußerst statusbewussten Bevölkerungsschicht hielt Fela Kuti regelmäßig einen Zerrspiegel vor: Ungeniert spazierte der Musiker in ausgeleierten Unterhosen herum und sang in der Sprache der afrikanischen Underdogs, in Pidgin, dem gebrochenen Englisch, über Korruption und das bedrängte Leben der einfachen Leute. Was man zu Kutis Lebzeiten bei all den Skandalen jedoch mitunter vergaß: Der Sohn eines Pastors und einer Frauenrechtlerin war nicht nur ein sehr vielseitiger Musiker, der mehrere Instrumente spielte und auch sang.

Kuti war auch ausgesprochen experimentierfreudig, verknüpfte nach Aufenthalten in Europa und Amerika mit seinen vielköpfigen Bands „Africa 70“ und später „Egypt 80“ Jazz, Funk und polyfone afrikanische Musik zu einem neuen Stil, dem Afrobeat. Wurden die Endlosstücke – kaum eines läuft unter zehn Minuten – anfangs noch ratlos beäugt, erlebte Kutis Musik in den 1990er-Jahren einen ungeahnten Boom: DJs sampelten Auszüge seiner Stücke, neue Afrobeat-Musiker, darunter die Söhne Femi und Seun, traten in die Öffentlichkeit. Für das New Yorker Label Knitting Factory Grund genug, Fela Kutis Gesamtwerk neu zu veröffentlichen. Neben der 26-CD-Box „The Complete Works“ folgt Ende März auch die Compilation „The Best Of The Black President 2“.

Text: Eva Apraku

Foto: Bernard Matussiйre (Fela Kuti)

Fela Kuti „The Best of the Black ­President 2“, (Knitting Factory), 2 CDs; Deluxe Edition plus DVD „Fela Kuti ­
performing at the Glastonbury Festival 1984″

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