Konzerte & Party

The Felice Brothers im Postbahnhof

Felice Brothers

Sie haben ganz unten angefangen. In den U-Bahnhöfen von New York. Als Straßenmusiker. Angesichts solch einer Vergangenheit verstehen sich die Wurzeln bei der amerikanischen Folk- und Galionsfigur Bob Dylan fast von selbst. Und wie beim großen Vorbild spürt man auch hier das Bemühen, sich nicht sklavisch an die Vorgaben des Regelbuchs zu halten. Die Felice Brothers greifen genauso zu Geige und Akkordeon und schreiben das ein oder andere bierselige Lied mit irischen Untertönen. Wenn es die Situation erfordert, scheuen sie sich auch nicht, mit gänzlich unerwarteten Mitteln zu experimentieren. Eine Überraschung ist sicher der Song „Ponzi“ von ihrem jüngsten Album „Celebration, Florida“, der wegen Synthesizergebrauchs und eines 4/4-Beats auch auf Electro-Partys Chancen hat. An anderen Stellen sorgen metallisches Schlagen, Gesang von Kindern oder lateinamerikanisch angehauchte Bläsersätze für Abwechslung. Temperamentvollen Ausbrüchen stehen Passagen gegenüber, bei denen man des ätherischen Sounds und der gruseligen Atmosphäre wegen an Mercury Rev denkt. Allzu gespenstisch wird es aber am zweiten Adventswochenende in Berlin sicher nicht zugehen, schließlich heißt  ihr Bassist doch – welche Pointe?– Christmas Clapton.

Text: Thomas Weiland

The Felice Brothers + AA Bondy, Postbahnhof, Sa 3.12., 20 Uhr, VVK: 22 Euro

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