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Arabisches Filmfestival Berlin 2011

Scheherazade__tell_me_a_story-1_c_ALFILM11In den Märchen aus 1001 Nacht war Scheherazade die Erzählerin, die mit ihren Geschichten den Tod in Schach zu halten versucht. Wie könnte man sich aber eine moderne Scheherazade vorstellen? Darauf gibt der ägyptische Regisseur Yousry Nasrallah eine überzeugende Antwort: Bei ihm handelt es sich um eine Moderatorin einer Talkshow, in deren Sendung Frauen mit ihren Erfahrungen zu Wort kommen. Es sind vor allem solche der Enttäuschung, denn in dem patriarchalisch geprägten System Ägyptens haben die Frauen noch weniger Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, und davon erzählt der Film „Scheherazade, Tell Me a Story“. Das Publikum vor Ort nahm an dieser künstlerischen Zusammenarbeit zwischen dem eher aus dem Arthouse-Bereich kommenden Nasrallah und dem populären Drehbuchautor Wahid Hamed leidenschaftlich Anteil, und es war nicht zuletzt das Wagnis der Hauptdarstellerin, das die Menschen so stark polarisierte. Die allseits populäre Mona Zaki riskierte hier zum ersten Mal so etwas wie politische Parteinahme.

Wenn „Scheherazade, Tell Me a Story“ nun in Berlin beim 11. Arabischen Filmfestival ALFILM läuft, dann wird man mit dieser Programm­ansetzung auch auf die Tatsache verweisen, dass in Ägypten in diesem Jahr eine neue Zeitrechnung angebrochen ist – man wird nun jeden Film auch auf die Proteste am Tahrir-Platz hin zu lesen versucht sein und die Zeichen wahrnehmen, die sich dort manifestiert haben. Mit dem Eröffnungsfilm bezieht sich ALFILM auch ganz ausdrücklich auf die ägyptische Demokratiebewegung: In „18 Days“ sind zehn kurze Filme versammelt, die reflektieren, was in den besagten 18 Tagen geschah, als die Welt auf den Tahrir-Platz blickte. Darüber hinaus hat ALFILM aber wie gewohnt den gesamten arabischen Raum im Blick, mit drei Beiträgen aus Palästina, einer Retrospektive zu den libanesischen Pionieren eines gesellschaftskritischen Kinos, Borhan Alaouie und Maroun Baghdadi, und einer Hommage an den vor wenigen Monaten verstorbenen syrischen Dokumentaristen Omar Amiralay. Von ihm stammt auch einer der Beiträge zu dem Fokus „Humor im arabischen Film“, der einen wichtigen Aspekt beleuchtet: Bei allen Schwierigkeiten ist dies häufig ein Kino der Komik, der Satire und der Überzeichnung von Zuständen, an deren Veränderung das Kino nach Kräften mitarbeitet.

Text: Bert Rebhandl

Foto: ALFILM11

ALFILM 11 Arabisches Filmfestival Berlin, Spielorte sind u.a. die Kinos Babylon Mitte, Rollberg und Eiszeit; Mi 2.11. bis Do 10.11.; www.alfilm.de

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