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Around the World in 14 Films

Around the World in 14 Films

Es ist kalt in Russland. Dagegen hilft ein Wodka. Gegen die Rechtlosigkeit hilft gar nichts. Das ist jedenfalls der pessimistische Befund in Andrey Zvyagintsevs „Leviathan“, mit dem in diesem Jahr das Festival Around the World in 14 Films eröffnet. Der Schauspieler Ulrich Matthes hat die Patenschaft bei „Leviathan“ übernommen. Bei ?der nunmehr zum neunten Mal stattfindenden Weltreise durch das Kino ist es guter Brauch, dass jeder der gewählten Titel durch eine passende Persönlichkeit vorgestellt wird.
In „Leviathan“ geht es um einen Mann namens Kolya, der im einsamen Norden des Landes an der Barentssee eine Werkstatt ?betreibt. Er hat eine schöne Frau – und einen hässlichen Feind: Der Bürgermeister hat es auf sein Haus abgesehen. Aus dieser Konstellation entwickelt Zvyagintsev eine Geschichte, mit der trotz der Randlage eindeutig ?das ganze Russland von Präsident Putin gemeint ist. Ein Land, in dem es keinen Gemeinsinn gibt, weil die Menschen füreinander Wölfe sind.
Ähnlich düster sind nicht wenige der gesellschaftlichen Befunde, die bei Around the World in 14 Films in diesem Jahr versammelt sind. Der ukrainische Beitrag „Plemya“ („The Tribe“, Präsentation: Aelrun Goette) changiert zwischen Kunst- und Skandalfilm mit seiner fast schon choreografiert wirkenden Geschichte taubstummer Jugendlicher, die nachts zwei junge Prostituierte herumfahren.
Der philippinische „From What Is Before“ von Lav Diaz (Präsentation: Nicolas Wackerbarth) erinnert an die grausamen Jahre der Marcos-Diktatur, als die Menschen in einem Barrio (einer Dorfgemeinschaft) im Süden der Inselrepublik allmählich zwischen Armee und Guerilla zerrieben wurden.
Bei einem der Höhepunkte des Festivals ist hingegen die politische Aussage nur schwer zu erkennen: Jean-Luc Godard hat sich bei „Adieu au langage 3D“ (Präsentation: Frieder Schlaich) für die bewährt undurchdringliche Collageform entschieden, die er schon ?seit vielen Jahren bevorzugt. Das selbst ?gebastelte Low-Tech-3D ist allerdings atemberaubend und führt schließlich auch zu einem Motiv, das die Collage fast alternativlos werden lässt: Godard macht Gehirnwindungskino par excellence.
Mit ein paar Spezialvorstellungen und einer „Senator British Night“ kommt das Festival sogar auf mehr als 14 Filme, darunter noch einmal „Under the Skin“, der SF-Kultfilm mit Scarlett Johansson, der für die große Leinwand im Babylon wie gemacht scheint.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Anna Matveeva / Non-Stop Production

Around the World in 14 Films Babylon Mitte, 28.11. bis 7.12. www.14films.de

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