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Das Arsenal zeigt die Filme von Robert Bresson

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Robert Bresson „Und femme douce“ (1969) ist frei nach Dostojewskis Novelle Die Sanfte inszeniert und war seinen ersten Farbfilm. Quelle: Arsenal – Institut für Film und Videokunst

Seine Filme dienen als Bezugspunkt für einen ästhetischen wie politischen Widerstand gegen einen Konformismus des Konsums und der Gewalt. Die religiösen Wurzeln seines Eigensinns müssen dabei heute nicht mehr geteilt werden. Bresson war Jansenist, er hing also einer an Augustinus anschließenden verschärften Gnadentheologie an, die nichts auf menschliche (gute wie schlechte) Werke gab.

Der grundsätzliche Wirklichkeitsvorbehalt, der sich darin äußert, ist in Bressons Filmen überall zu sehen, obwohl er durchaus starke kreatürliche Elemente kennt (er zeigte den Schmerz, ob das nun der Esel Balthazar oder der Landpfarrer von Ambricourt in der Verfilmung eines Romans von Georges Bernanos war). Neben dem ontologischen Optimismus, den der Neorealismus eines Rossellini (oder auf theoretischer Seite Andrй Bazin) auch noch in höchst tragischen Momenten hatte, war Bresson im Kino nach 1945 damit auf eine Einzelgängerrolle festgelegt.

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Das verschärfte sich durch wesentliche Auffassungen von der Filmkunst, wie er sie in seinen „Notizen zum Kinematographen“ niederlegte, ein Text von charakteristischer Undurchdringlichkeit. Besonders seine Behandlung von Schauspielern als Modelle, die nicht psychologisch-dramatisch mit ihrem Text identisch sein sollten, brachte einen Verfremdungseffekt mit sich, der dem von Brecht auf dem Theater zwar nicht verwandt, aber doch vergleichbar ist.

Bresson kam von der Malerei und ließ sich niemals vollständig auf das Erzählkino ein. Im Vergleich zu seinen 13 Filmen wirken die meisten Experimente der Nouvelle Vague zeitgebunden, man sieht, dass bei Bresson andere Zeitrechnungen wirksam sind. Im Arsenal wird die Retrospektive nun so gut wie möglich auch filmisch kontextualisiert. Das heißt, dass wesentliche erreichbare Arbeiten über Bresson gezeigt werden, zum Beispiel die Versuche von Manfred Blank, Hartmut Bitomsky und Harun Farocki, selbst filmisch in die Filmarbeit von Bresson einzudringen, oder Theodor Kotullas „Zum Beispiel Bresson“, in dem der Regisseur bei Dreharbeiten zu seinem zentralen Film „Mouchette“ zu sehen ist. Das sind wesentliche Hilfestellungen zu einem Werk, dessen Komplexität vielfach in der Reduktion liegt und in dem das Kino besonders nahe an die Paradoxien der modernen Kunst rührte.

Text: Bert Rebhandl

Die Filme von Robert Bresson Fr 11.4. bis Mi 7.5. im Arsenal, www.arsenal-berlin.de

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