Konzerte & Party

Fetisch von Terranova im Interview

Terranova

tip Ihr im Februar erschienenes Album „Hotel Amour“ erhielt enthusiastische Kritiken. In etlichen Reviews hieß es, es finge „perfekt den Sound von Berlin“ ein. Ist das eine typische Journalistenfloskel oder wie klingt Berlin konkret?
Fetisch Elektronische Musik war und wird immer grenzenlos bleiben. Allerdings hat sich Berlin zum wichtigsten Standort entwickelt. Der Sound der Stadt? – Anything goes!

tip Auf dem Album sind u.a. Udo Kier und Nicolette Krebitz zu hören. Letztere wirkt auch als Musikerin, aber wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Udo Kier?
Fetisch Udo Kier ist ein alter Bekannter. Nicolette hat ihn an dem Tag einfach mit ins Studio gebracht.

tip Die NAU-Party im Ritter Butzke am 22.12. gilt auch als Auftakt-Veranstaltung für die gleichnamige Plattenfirma. Aber Sie bleiben auf Kölner Kompakt-Label?
Fetisch Ja, wir fühlen uns bei Kompakt perfekt aufgehoben.

tip Wird an dem Abend ein Terranova-Konzert oder DJ-Set zu erwarten sein?
Fetisch Es wird ein DJ-Set sein. Wir haben seit sechs Jahren nicht mehr live gespielt. Das Auflegen macht mehr Spaß und klingt oft auch besser.

tip Im Zusammenhang mit der geplanten !K7-Videoinstallation sagte Horst Weidenmüller, dass er nichts aus dem alten West-Berlin vermisse, außer vielleicht dem Club Dschungel.
Fetisch Ich vermisse West-Berlin auch nicht, denn es ist ja noch da. In Charlottenburg oder Kreuzberg hat sich doch gar nicht so viel verändert. Schade ist, dass ein paar tolle Menschen aus der damaligen Zeit nicht mehr da sind, wie zum Beispiel Kippenberger.

tip Sie haben u.a. in Berlin, London und New York gewohnt. Viele dortige Künstler betrachten ihre Heimatstadt inzwischen als einen Hort der Langeweile. Sehen Sie Parallelen zwischen der jetzigen Entwicklung Berlins und der von New York in den 90ern?
Fetisch Im positiven Sinne fühle ich mich an den „Creative Buzz“ vom alten New York erinnert. Leider dreht sich auch inzwischen hier in Berlin immer mehr ums Geld. Nichtsdestotrotz bleiben uns noch ein paar Jahre.

tip Sollte die Club-Szene in Berlin mehr als Kulturgut wahrgenommen werden, das vor Auswirkungen der Gentrifizierung in der Innenstadt geschützt werden muss oder reguliert sich das von selbst?
Fetisch Ich nehme die Clubszene auf jeden Fall als Kulturgut wahr und vielen Menschen geht es ähnlich. Dass wir inzwischen mehr Touristen als Rom haben, liegt sicher nicht an Berlins Architektur. Die Leute kommen wegen der Clubs, der zeitgenössischen Kunst und den Dingen, die hinter den tristen Fassaden passieren. Die Kulturpolitik von Regierungsseite ist in Berlin sehr enttäuschend. Aber das hat hier Tradition, solange ich denken kann. Die Energie, die Kreativität und der Mut der immer wachsenden Szene in Berlin hält die Sache in Bewegung. Die besten Zeiten kommen noch!

Interview: Ronald Klein

NAU-Party u.a. mit DJ-Set von Terranova, Sa 22.12., 23.55 Uhr, Ritter Butzke

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