Kommentar

„Fette Frechheit“ von Stefan Hochgesand

Bei aller Bemühung, hier ein diskriminierungsfreies Ressort zu bauen, gibt es eine Gruppe von Menschen, die mir lange Zeit suspekt war: die musikalischen Anhedonisten

Stefan Hochgesand

Menschen, die musikalisch anhedonistisch veranlagt sind, spüren nichts, wenn sie Musik hören. Musik geht ihnen am A, äh, Ohr vorbei. Sie sind ­keine bösen Menschen. Neurologisch lässt sich zeigen, dass ihr Gehirn tatsächlich auf Musik nicht reagiert. Null. Zwei bis drei Prozent der Menschen ticken so.
Ich glaube, dass diese zwei bis drei Prozent der Menschen für den Senat und bei der GEMA arbeiten. Man muss nichts fühlen für Musik, um sie regelkonform in Excel-Tabellen zu verwalten.
Was ist passiert? Simone Hofmann und ihr Team von der Fête de la Musique werfen das Handtuch. Ihnen ist die frustrierende Bettelei zuwider, der die Fête seit 23 Jahren ausgesetzt ist. Dieses Jahr läuft die Förderung durch die Lotto-Stiftung aus. Von der Senatskanzlei war Hofmann 2016 jedoch versprochen worden, man wolle genügend Mittel bereitstellen. Nach den Landtagswahlen wechselte die Zuständigkeit für die Fête aber (mal wieder) zur Senatsverwaltung für Kultur. Und dort steht das Budget (mal wieder) in den Sternen. Warum kostet die Gratis-Fête überhaupt Geld? Da kommen unsere Kommerzblockwarte von der GEMA ins Spiel, die (anders als ihr französisches Pendant) auch bei der Fête den Gebührenhut aufhalten – dabei spielen alle Künstler ohne Gage, aus Liebe zur Musik. Eine Liebe, welche die Anhedonisten freilich niemals begreifen werden.

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