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The Final Frontier

Final FrontierIm überschaubaren Olymp der Metal-Größen gibt es nur zwei Bands, deren Neuveröffentlichungen mit Spannung ersehnt und diskutiert werden. Die eine heißt Metallica und hat schon seit längerem den Sprung in den Mainstream geschafft. Iron Maiden dagegen bleiben allem Massenzuspruch und Charterfolgen zum Trotz weiterhin die Band des gemeinen Metal-Mannes und seines eisernen Wertesystems. Und darin sind Veränderungen genauso ungern gesehen, wie Wiederholungen früherer Großtaten zwanghaft erwartet werden.

So scheiden sich an „The Final Frontier“ (EMI) also jene Szene-Geister, die die Band einst als Vorreiter der New Wave Of British Heavy Metal rief. Denn die Briten tun hier einen Teufel, sich auf dem Grundgerüst knackiger Kompakt-Klassiker der Frühachtziger wie „The Number Of The Beast“ auszuruhen.Stattdessen frönt man ausufernd Songstrukturen und zuweilen progressiven Arrangements und Science-Fiction-Referenzen.

Allein der Auftakt macht es nicht unter vier Minuten instrumentalem Spannungsaufbau mit Tribal-Trommeln und Gitarren-Sprenkeln. Der angekoppelte Titelsong geht noch als Maidens melodiöse Midtempo-Metal-Variation von Bowies Major Tom-Thematik durch. „Coming Home“ ist das unmittelbar eingängig-ergreifende Balladen-Herzstück und der vergleichsweise punktiert-kurze Rocker „The Alchemist“ hätte auch in die Endachtziger-Phase der Band gepasst.Doch danach präsentieren sich Maiden von ihrer bunten Seite. Folkloristische Minnesang-Melodien mischen sich mit melodisch und rhythmisch mäandernden metallischen Monstern. Die kreative Aufarbeitung des Atomkrieg-Dramas „Wenn der Wind weht“ im elfminütigen „When the Wild Wind Blows“ findet ihre finale Maiden-Entsprechung im gälischen angehauchten Erzähl-Epos. So gelingt neben dem erfolgreichen Grenzgang auch wieder eine richtige Genre-Keule.

Text: Frank Thiessies

tip-Bewertung: Hörenswert

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