Kommentar

„Flop für Preiskultur“ von Stefan Hochgesand

Es hätte, hätte, Fahrradkette, so cool werden können. Da der Musik­preis Echo an Peinlichkeit nicht mehr zu übertreffen ist, tat das vor zwei Jahren richtig gut, als die Kunde die Runde machte, dass da ein neuer Verein am Start ist: der Verein zur Förderung der Popkultur. Und dass die einen neuen Award initiierten: den Preis für Popkultur. Da sollten, laut ­eigenem Bekunden, weder Kommerz noch Vitamin B eine Rolle spielen. Wow!

Stefan Hochgesand

Dann die Ernüchterung 2016: ­Viele der Nominierten (Udo Lindenberg, AnnenMayKantereit, K.I.Z, Moderat, Beginner, Casper, Beatsteaks, Deichkind, Rammstein) hätten genauso gut beim Echo spielen können. Musikerinnen ­waren (außer natürlich in der Kate­gorie „Lieblings-Solokünstlerin“) keine nominiert, abgesehen von der Band Boy. Man munkelte schon, dass der maskulinphilen Jury vielleicht einfach entgangen war, dass Boy keine Boys sind.
Um sein Image aufzupolieren, wirbt der Verein dieses Jahr damit, die frisch eingeführte Frauenquote sogar „übererfüllt“ zu haben – mit 4 Frauen im 9-köpfigen Vorstand. Dazu wurde der faule Trick erfunden, dass die Frauenquote nicht bei 50 Prozent liege, sondern bei 30, entsprechend dem Geschlechterverhältnis der Mitglieder. Pfui! Unter den Nominierten sind wieder mehrfach die Beatsteaks, wo deren Manager doch im Vorstand sitzt. Und der Musikartikel eines anderen Vorstandsmitglieds ist nominiert als „Geschichte des Jahres“. Finde das nur ich bemerkenswert?

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