Konzerte & Party

Flying Lotus in der Maria

Flying Lotus

Es gab Zeiten, da war das britische Warp-Label das Versuchslabor für elektronische Musik schlechthin. Unter seiner Ägide konnten LFO, Aphex Twin, Autechre oder Boards Of Canada ungestört visionäre Ideen entwickeln. Ein bisschen ist man von dieser Linie abgekommen, aber mit Steven Ellison alias Flying Lotus hat sich Warp wieder einen besonders kreativen Kerl geangelt. Der Kalifornier quartiert sich gerne im Sommer im San Fernando Valley ein, weil er glaubt, etwas außerhalb von Los Angeles unter extremen klimatischen Bedingungen am besten arbeiten zu können. „Die Hitze gibt mir die Energie, die ich brauche, um abzuheben“, sagt er. Tatsächlich klingen die Tracks auf seinem überragenden dritten Album „Cosmogramma“ wärmer und gefühlvoller als bei vergleichbaren britischen Kollegen. Ellison pickt sich zickige Jazz-Basslinien, Harfenklänge, House- und HipHop-Beats, psychedelische Elemente oder Exotica-Atmosphäre heraus und manipuliert sie nach Leibeskräften, bis daraus der Soundtrack für eine Flucht in eine ganz eigene futuristische Traumwelt wird. Obwohl der 27-Jährige dem Hitzekoller manchmal nahe ist, überdreht er nicht. Er hält immer eine rhythmische Linie, an die man sich klammern kann, und lässt Harmonien genügend Raum. Die ursprüngliche Inspiration dafür kam übrigens aus der eigenen Familie: Ellisons Tante war die Jazzmusikerin Alice Coltrane.

Text: Thomas Weiland

Flying Lotus + Robotic + Delfonic, Maria, Fr 22.10., 23 Uhr, VVK: 18 Euro

Mehr über Cookies erfahren