Dream-Pop

Fotos spielen im Lido

Zeitspringer: Fotos haben das Verstummen des großen Schrammelns überlebt

Foto: Alexander Gehring

Zehn Jahre sind im Pop eine kleine Ewigkeit. Zur Erinnerung: Der gemeine Indie-Fan trug Ringelshirt, auf MTV lief tatsächlich noch ein bisschen Musik, und die Arctic Monkeys reüssierten als coolste Band der Welt. Es waren glückliche Tage, die letzten goldenen Stunden des Gitarrenrock, und Fotos aus Hamburg bewiesen damals mit ihren selbstbetitelten Debüt, dass man auch auf Deutsch dingel-dangeln kann.
Nun ist das große Schrammeln schon lange verstummt. Ringelshirts sind out, outer geht es nicht, MTV ist tot und Arctic-Monkeys-Sänger Alex Turner ist zum Lackaffen verkommen. Fotos jedoch spielen noch immer – und haben den Wandel, der sich mit ihrem 2010 erschienenen, treffend „Porzellan“ betitelten Album angekündigt hat, nun endgültig vollzogen: Die können ja auch Kunstpop! Auf ihrer neuen Platte „Kids“ finden sich so schöne, spinnerte Elektronikspielereien, wie man sie sonst von Exzentrikern wie Peter Licht kennt. Dazu ausladende Klangflächen, auf denen Tom Hesslers Stimme entspannt treibt, Krautrock-Versatzstücke und hübsche Irritationsmomente. So klingt die Hamburger Lesart des Shoe­gaze-Revivals, die dem Wunsch nach Veränderung Rechnung trägt, ohne die sympathische Hemdsärmeligkeit der Band zu verleugnen. Produziert hat das wunder­same Comeback Tobias Siebert, der mit seiner Band Klez.e gerade die 80er-Jahre bereist. Ein Zeitsprung, der eine große Ewigkeit bedeutet. Wie die Gegenwart zu klingen hat, wissen Siebert und Fotos dennoch.

Lido Cuvrystr. 7, Kreuzberg, Do 27.4., 21 Uhr, VVK 17 €

Mehr über Cookies erfahren