Konzerte & Party

Franz Ferdinand in der Volksbühne

Franz Ferdinand

Nein, leicht hatten sie es in letzter Zeit nicht, die im vorangegangenen Jahrzehnt als Heilsbringer gefeierten Indie-Bands aus Britannien. Es fehlten die Hits und frischen Ideen. Auch Franz Ferdinand blieben nicht von der Baisse verschont. Mit ihrem dritten Album „Tonight: Franz Ferdinand“ wandten sie sich Disco-Grooves und Experimenten zu, was Fans und Kritiker nicht überzeugte. Für Gitarrist Nick McCarthy war das die Strafe dafür, dass sich die Band keine Atempausen gegönnt hatte. „Wir hatten einen unerwartet guten Start hingelegt und waren dann wie besessen von dem Gedanken, den Erfolg durch ständige Präsenz weiter auszubauen. Das war falsch“, sagt er. „Wir hingen ständig miteinander ab, nahmen in beengten Räumen auf, gingen ohne Pause gleich wieder auf Tour und konnten uns dann irgendwann nicht mehr in die Augen schauen. Wir brauchten Abstand voneinander.“
Ganz von der Musik haben sich die Mitglieder aber nicht verabschiedet. Sänger Alex Kapranos produzierte die Band Citizens! und den schottischen Gitarristen RM Hubbert. McCarthy widmete sich seiner Zweitband Box Codax. Danach kam wieder Lust auf Franz Ferdinand auf. Hilfreich war, dass die Bandleader heute beide in London eigene Studios haben, in denen etappenweise ohne Stress gearbeitet werden kann. Dort ist mit „Right Thoughts, Right Words, Right Action“ ein Album entstanden, das den Glauben an die Möglichkeiten dieser Musiker wieder zurückbringt. Mit Funk-Einflüssen, Motown-Rhythmen, Sixties-Sounds und Bowie-Anklängen rekapituliert man schwungvoll Glanztage des Pop. Die lateinamerikanischen Cumbia-Klänge im Song „Brief Encounters“ lassen dagegen erkennen, dass es Franz Ferdinand nicht um die Pflege von Regionalstolz geht. „Ich finde es unangenehm, wenn ich in Artikeln über uns das Wort Britpop lese. Unser Horizont geht weit darüber hinaus.  Das erklärt sich schon dadurch, dass ich in Bayern aufgewachsen bin und Alex griechische Wurzeln hat. Und wenn wir in Peru spielen, gehen wir natürlich auch mal in einen Plattenladen und kaufen ein. Solche Erfahrungen beleben eine Band.“

Text: Thomas Weiland

Foto: Andy Knowles

Franz Ferdinand?, Volksbühne, Fr 20.9., 20 Uhr, VVK: 24 Euro zzgl. Gebühr

Mehr über Cookies erfahren