Konzerte & Party

Frazey Ford im Crystal Club

Frazey Ford

Beim kanadischen Goth-Folk-Trio The Be Good Tanyas war sie zehn Jahre lang die Leadsängerin – mitten im Americana-Bluegrass-Revival, ihren Sound nannten sie Hobo Erotic. Sie ließen sich von alten Streicherensembles und Front-Porch-Pickern inspirieren, und Mitbegründerin Jolie Holland verabschiedete sich als Erste in eine Solokarriere, um die Obsession für gespenstige Songs des Südens zu vervollkommnen. Frazey Ford hingegen kündigte der Band zugunsten ihrer Liebe zum Memphis-Soul. „Obadiah“ hieß 2010 ihr Solodebüt, dessen Songs sich auch gut im Portfolio von Marvin Gaye oder Dusty Springfield gemacht hätten, so blue-eyed und modern, wenn auch folkig banjo-geprägt, klangen etwa „Firecracker“ oder „I Like You Better“. Das vernahm auch US-Autor und Regisseur Robert Gordon, brachte Frazey Ford mit der legendären Hi Rhythm Section der Hodges-Brüder zusammen, die schon Al Green und Ann Peebles mit dem berühmten Memphis-Sound in die Geschichtsbücher schrieben, und es sollte eine Hochzeit im Himmel werden. Die Musikalität, die kunstvollen Arrangements, das baumwurzeltiefe Verankertsein im Southern Feeling – gepaart mit der delikaten, bewegten, immer auch suchenden Stimme ihrer Verehrerin entstand das Album „Indian Ocean“.
„It’s like standing in the shadows of Motown“, fasst Ford diese Erfahrung zusammen und kann sich auf alle Vorzüge ihres Talents, aber auch ihres Geschlechts berufen. Denn während sich der Blues- und Black-Gospel-Musiker Willis Earl Beal zu seinem Film „Memphis“ bitter über die Arroganz der Rhythmus-Brüder beklagte, ist es manchmal doch hilfreich, von ganz links außen ein Genre neu zu definieren, zumal in diesem Fall als Frau. „Veränderung ist das Wesen des Lebens“, sagt Frazey Ford. „Eine Zeit lang gleiten wir dahin, und dann kommt ein Bruch. Das ist unkomfortabel, aber notwendig.“ Um diese Dynamik nicht zu verpassen, geht sie mit ruhigem Tempo vorwärts, eingebettet in den Groove der gestandenen Herren und in die Erhabenheit der Hammondorgel. Die Musik als Taktgeber und Methodenlehrer für Menschen, die in schwer zu deutenden Zeiten nach Zentrierung suchen.

Text: Christine Heise

Foto: Candace Meyer

Frazey Ford, Crystal, Columbiadamm 9-11, Tempelhof, Mo 9.3., 20 Uhr, VVK: 14 Euro zzgl. Gebühr

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