Konzerte & Party

Frazy Ford und Band im Privatclub

Frazey Ford

Diesen Ton hat man lange nicht gehört: inniglicher Slowmotion-Soul, spartanisch und pointiert instrumentiert – wie Erinnerungsfragmente verklungener Zeiten neu zusammengesetzt. Die kanadische Songwriterin Frazey Ford ist eigentlich als Folkie bekannt. Mit ihrer Band The Be Good Tanyas hat sie seit 1999 der Liebe zu oldtimey Blues, Folk und Country folgen können, man nannte sie sogar den Mick Jagger des neuen Americana-Rootssounds, denn ihre prägnante, leicht kehlig klingende Stimme wirft gern akustische Nebelkerzen – wovon sie genau singt, ist nicht immer offenbar, wirkt aber intensiv. Im vergangenen Jahr nun, nachdem das einstmalige Quartett zu einem Trio geschrumpft war, da Jolie Holland erfolgreich die Solokarriere wählte, beschloss Frazey Ford ebenfalls allein ein Album zu veröffentlichen. Nie machen sie und ihre Band, zu der auch Bläser zählen, auf „Obadiah“ mehr als nötig, immer aber genug, um den Songs einen erdig schwingenden, souligen Groove zu geben. Ihr bester Song „Blue Streak Mama“ basiert auf subtilem HipHop-Beat mit bluesigem Tiefgang, in dem sie sich gegen männliche Übergriffe wehrt. Später covert sie „One More Cup of Coffee“ von Bob Dylan und entlockt ihm neue Schmachtmomente. Bei allem bleibt sie zurückhaltend, was der Unwiderstehlichkeit nur Feuer gibt. Als Tochter von musikalischen, hippiesken 68er-Veteranen scheint ihr Proklamierendes wohl einfach nicht zeitgemäß zu sein.

Text: Christine Heise

Frazey Ford & Band, Privatclub, Mi 19.10., 21 Uhr, VVK: 12 Euro

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