Konzerte & Party

Im Radialsystem: Variations VII

John CageEtwas akademisch wird das Stück „Variations VII“ aus dem Jahr 1966 als die „Geburtsstunde der interaktiven Performance- und Medienkunst“ angepriesen. Das mag musik- und kulturhistorisch vermutlich sogar stimmen, denn wenige Komponisten des 20. Jahrhunderts haben so wie John Cage derart konsequent neue Möglichkeiten ausgelotet und den Klang­raum erweitert. Cage war ein waschechter Pionier und Grenzgänger, er hat Klaviere präpariert, 4 Minuten und 33 Sekunden Stille aufgeführt und jenseits der Avantgarde auch auf den Platten von Velvet Underground und Sonic Youth Spuren hinterlassen. Nun führen im Rahmen von Sommercamp+Workstation, einer neuen Projektplattform für Kunst und Medien, der Japaner Atau Tanaka, das Duo Zoviet France und Matt Wand, der mit seinem Projekt „Stock, Hausen und Walkman“ Be­kanntheit erlangte, gemeinsam das besagte Stück auf. Eine steife Lehrstunde über die Frühzeit der Medienkunst soll es nicht werden, dafür ist schon allein der Aufbau von „Variations VII“ zu absurd. Als Cage es vor über 40 Jahren konzipierte, wollte er mit verschiedenen Kommunikationstechniken experimentieren und diese in seine kompositorische Arbeit interaktiv miteinbeziehen. Im Radialsystem ist das Ensemble daher über Telefonleitungen mit einem Hundezwinger, Abwasserrohr, Re­­s­taurant, Meerschweinchenkäfig und diversen anderen Klangquellen im Berliner Stadtraum verbunden. Daraus entwickeln die Akteure ein Perfor­man­ce-Konzert, das auch „So klingt Berlin“ heißen könnte und nicht „Variations VII“.

Text: Jacek Slaski

Variations VII mit Zoviet France, Matt Wand und Atau Tanaka, Radialsystem, Fr 14.8., 20 Uhr (Prelude), 21.30 (Variations VII), VVK: 10/8 Euro

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