Post-Punk

Friends of Gas und The Robocop Kraus im Festsaal Kreuzberg

Schockfrost: Die großartigen Friends of Gas spielen vor The Robocop Kraus

Foto: Susanne Beck

Das ikonische „Unknown Pleasures“-Pulsar in Schwarz-Rot-Gold: Dergestalt illustrierte der Bayerische Rundfunk kürzlich die Renaissance des Post-Punk im hiesigen Gitarrenrock. Ein ungelenkes Bild angesichts der linken Haltung vieler Szene-Protagonisten, doch die These scheint sinnvoll: Während auf deutschen Straßen und Podien die Populisten pöbeln, kehrt der Joy-Division-Gedenksound mit kalter Wucht zurück. Junge Wüteriche wie Isolation Berlin und Karies legten vor, auf die Spitze trieb das Schockfrost-Schrammeln jedoch die Münchner Band Friends of Gas. Ihr Debüt „Fatal Schwach“, veröffentlicht im Oktober, ist ein aggressiver Krautrock-Noise-Bastard, ein Monstrum mit bahnbrechender Zerstörungskraft. Wer nun aber Sängerin Nina Walser zur Stimme einer angepissten Generation ausrufen will, den muss sie enttäuschen: Nö, ein besonders wütender Mensch sei sie nicht. Obwohl sich Walser in irre Mantras hineinsteigern kann, bis die Kratzstimme kippt, vermeide sie dezidiert politische Statements; interessant sei’s dennoch, wie man ihre assoziativen Zeilen deute. Keine Slogangeber sind die Münchner, vielmehr Krachforscher in Tradition von Surrogat oder Sonic Youth in jungen Jahren.
Im neu eröffneten Festsaal Kreuzberg, wo einst das White Trash Fast Food residierte, spielen sie im Vorprogramm von The Robocop Kraus. Auch den Nürnbergern heftet man gern das Prädikat „Post-Punk“ an, doch entlädt sich ihre Energie statt in Noisegewittern in ekstatischen Live-Sessions. Neue Kälte und vertraute Hitze: ein Programm, das die rauen Zeiten vergessen macht.

Festsaal Kreuzberg Am Flutgraben 2 Cuvrystr. 7, Kreuzberg, Sa 14.1., 20 Uhr, VVK 16 €

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