Konzerte & Party

Front 242 im Postbahnhof

Front 242

Es gab Zeiten, da waren Front 242 unschlagbar. Um 1988, als die Urväter der Maschinenmusik langsam an Einfluss verloren, Techno noch nicht das beherrschende Thema war und die Electronic Body Music den Ton angab. Humorlos harte Stechschrittbeats gaben den Takt vor, Synthesizer tuckerten diabolisch, Phrasen aus dem Drillvokabular und Stimmensamples schufen zusammen mit paramilitärischem Outfit ein bedrohliches Gesamtbild, das in manchen Kreisen als teutonisch und tumb empfunden wurde.
Front 242 hatten von all dem etwas, aber sie waren smarter als der Rest. Das Album „Front By Front“ gehört in jede Hitliste der herausragenden elektronischen Arbeiten aller Zeiten. Nach und nach verloren die Belgier aber an Einfluss. Ihr martialischer Sound machte ohne Kalten Krieg nicht mehr viel Sinn und erschien angesichts der Wutattacken von Nine Inch Nails, Rammstein oder The Prodigy plötzlich bloß wie eine Vorstufe zu größerem Theaterdonner.
Folgerichtig traten Front 242 nach 1993 nur noch sporadisch in Erscheinung, und wenn, dann zumeist mit Live-Aufnahmen. Auf „Moments“, der letzten Veröffentlichung dieser Art, hört man die bekanntesten Tracks in neuer Abmischung. Eigentlich wären die digitalen Updates aber nicht nötig gewesen. Hatte der Band denn niemand gesagt, dass analoge Sounds wieder gefragt sind und der alte Sound bei Frischlingen wie Alloy Mental oder Autokratz neue Blüten treibt?

Text: Thomas Weiland

Front 242 + Orange Sector, Postbahnhof, So 18.4., 21 Uhr, VVK: 26 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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