Kommentar

„Fuck 2016“ von Stefan Hochgesand

Wir leben in einer beschissenen Welt. Und 2016 war das erbärmlichste Jahr seit … langem. Wir haben Freunde und Legenden verloren

Stefan Hochgesand

Für alle, denen, wie mir, die Musik noch hilft, um diese Scheiße auszuhalten, gab’s zumindest paar Platten, um sich einzumummeln: Leonard Cohen, Nick Cave, Bon Iver, vor allem. Die Sehnsucht nach Geborgenheit ließ sich 2016 gar in den Produktkatalogen der Instrumentenhersteller ablesen: Roland, Korg und Konsorten brachten analoge Synthies, Drummachines und Effektgeräte neu auf den Markt, die wieder so schön warm klingen sollen wie ihre vor-digitalen Vorfahren aus dem Kalten Krieg.
Wir leben in einer politischen Welt. Wie Bob Dylan 1989 auf „Oh Mercy“ sang. Eine Welt, in der Verbrechen gesichtslos und somit unfassbar sei. Der Dylan-Song kam damals bei der Kritik nicht so gut an, Tenor: „Politische Welt, klar, aber war doch immer schon so, viel zu allgemein.“ Dennoch: Es gibt sie, die Zeiten, in denen wir wieder knallhart kapieren, in welch politischer Welt wir leben. So besehen war 2016 wichtig: An ‚Black Lives Matter’ kam man auch im Mainstream nicht vorbei. Vor allem dank Leuten wie Beyoncé, Kendrick Lamar, Solange und Frank Ocean an der Spitze der US-Charts. Brauchen wir Popmusiker, die sich politisch äußern? Ich denke: ja. Es sind die Stimmen, denen Millionen lauschen. Pop-Lyrics und Musikvideos sind nicht der Stein der Weisen, aber sie können wachrütteln. Ich glaube, wir sind nun alle ein bisschen wacher. 2017 soll kommen. I hope it’s a good one.

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