Konzerte & Party

Fumaça Preta in der Berghain Kantine

Fumaça Preta

„Pupilas Dilatadas“, erweiterte Pupillen, heißt das Titelstück auf dem selbstbetitelten Debütalbum des portugiesisch-englischen Powertrios Fumaça Preta (dt.: Schwarzer Rauch). Der Titel ist Programm: eine irre, Reverb-getränkte Stimme verhallt beschwörend über ausgefransten Fuzz-Gitarren, ein kakophonisches Schlagzeug sucht leicht orientierungslos den Takt und ein wabernder Farfisa-Groove erzeugt wohltemperierte Psychedelia. Fumaça Preta spielen Drogenmusik im besten Sinn. Ihr Garagenrock dreht sich hochtourig im roten Bereich, die Songs drohen ständig zu bersten. Wer hier an Frank Zappa denkt, liegt nicht ganz falsch, doch der musikalische Irrsinn von Mastermind Alex Figueira legt weniger Wert auf Virtuosität als auf eine bewusstseinserweiternde Wirkung. Chaos ist oberstes Prinzip: Es scheppert, blubbert, fiept, kreischt und darüber jault Figueira in schönster Howling Wolf-Manier seine derangierten Texte. Der dichte, vielschichtige Lärm hat eine fiebrige Intensität, die nicht nur wegen Figueiras Muttersprache an die Helden der brasilianischen Tropicalia-Bewegung, die Freakrock-Kultband Os Mutantes, erinnert. Die in Amsterdam ansässigen Fumaça Preta müssen den Vergleich nicht scheuen. Wo die Tropicalistas noch mit einem Bein im Pop und Bossa verwurzelt waren, bekennen sich Alex Figueira, Gitarrist Stuart Carter und Bassist James Porch zum Protopunk der späten Sechziger. Zu ihrem Set gehört deshalb auch eine Coverversion des Sonics-Klassikers „The Witch“.

Text: Andreas Busche

Fumaça Preta, Berghain Kantine , Am Wriezener Bahnhof, Friedrichshain, Mo 14.12., ?20 Uhr, AK: 14 Euro

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