Konzerte & Party

Fundbüro Berliner Nachtleben

Lost And Found Box
Foto: Susan Schiedlofsky

Verrallert. Verschallert. Alles verballert. Wem ist es noch nicht passiert? Man kommt morgens von einer ausgedehnten Clubnacht nach Hause und bemerkt, dass irgendwas fehlt. Im schlechtesten Fall geschieht das bereits vor der eigenen Haustür, wenn beim Durchnesteln aller Taschen und Behältnisse klar wird, dass einem der Schlüssel abhanden gekommen ist und man sich nun anstelle eines angenehmen Chill outs mit den Widrigkeiten und der offensiven Preisgestaltung von Türöffnungsnotdiensten auseinanderzusetzen hat. Oder doch noch mal in den Club zurückfährt, um die Suche aufzunehmen. Was einem in nicht mehr ganz nüchternem Zustand wie in einem dokumentierten Fall von der Bar 25 Closing Party, wo unter tonnenweisem Konfetti ein kompletter Schlüsselbund verschüttgegangen war, gerade in den späten Morgenstunden besonders hoffnungslos erscheint. Doch auch dieser verzweifelte Raver bekam nach der Grundreinigung des Geländes seine Schlüssel wieder.

Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, sein verlorenes Gut in Berliner Clubs zurückzubekommen, gar nicht so gering, denn die Lost & Found Boxen sind prall gefüllt. Neben Schlüsseln finden sich dort vor allen Dingen Kreditkarten, Ausweise und sonstige Personaldokumente, Mobiltelefone nebst Akkus und Ladekabeln und Kleidungsstücke aller Art, die meist vergebens auf ihre Abholung warten. Aber auch Laptops, Gebisse, Prothesen, Medikamentenbeutel wurden schon am Club-Tresen abgegeben.

„Wir wundern uns manchmal selbst, wie wenige der Gegenstände, die bei uns landen, tatsächlich abgeholt werden“, sagt uns Jenny Sach vom Kater Holzig, die den aktuellen Bestand der Kater Fundbox auf 15 Handys, 10 Geldbeutel, 20 Schlüsselbunde, 50 AOK-, Sparkassen- und sonstige Karten sowie zwei Kleiderstangen voller Jacken beziffert. Jede Woche kämen schätzungsweise drei Mobiltelefone, drei Geldbeutel, zwei Schlüssel, drei Karten und fünf Jacken dazu. Befremdet ist das Reinigungspersonal nur selten von den Fundstücken; lediglich der Fund von Socken, Unterwäsche oder Hosen wird gemeinhin als „komisch“ eingestuft. Tatsächlich wird nicht mal die Hälfte der Fundstücke jemals wieder abgeholt, was natürlich auch daran liegt, dass gerade ausländische Touristen ihren Berlin-Aufenthalt gern zum exzessiven Feiern nutzen. Dem Rest ist der Weg zurück wohl zu aufwendig oder peinlich oder er kann sich tatsächlich gar nicht mehr daran erinnern, wo er seinen Kram verloren hat. In den Lost & Found Boxen der von uns befragten Berliner Clubs von Arena über ADS bis Matrix sieht es nicht anders aus – auch die Quote von ca. 50 Prozent der Dinge, die später den Weg zu ihren Besitzern zurückfinden, ist ähnlich.

Große Clubs wie das Berghain haben auf ihren Homepages eigens E-Mail-Adressen eingerichtet, an die man sich wenden kann, wenn man etwas verloren hat. Die meisten Clubs bewahren Gegenstände drei bis sechs Monate auf und geben dann vergessene Kleidung in die Altkleidersammlung und schmeißen den Rest weg. Besonders wertvolle Mobiltelefone und heiße Smartphones zählen nicht dazu. Deren Besitzer bemerken den Verlust meistens noch am selben Abend und bemühen sich schnellstens um Wiederbeschaffung. Liegen bleiben die Prepaid-Nokias.
Eine spezielle Situation gibt es an der Garderobe des KitKatClubs. Dort bleiben oftmals komplette Outfits an der Garderobe hängen, da die Besucher nicht selten im Anzug erscheinen und sich im Eingangsbereich des Clubs ausziehen, um bei den sexuell freizügigen Partys teilzunehmen. „Wir wundern uns manchmal wirklich, wie die Leute überhaupt nach Hause gekommen sind“, verrät Kitkat-Partyveranstalter Fabian Vogel.

So verloren gegangene Kleidung wird nur sehr selten abgeholt, „vielleicht, weil sich die Leute schämen“. Das originellste Fundstück in Berliner Clubs liegt übrigens auch in der Fundtruhe des Kitkat: ein Exemplar des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

Text: Rock Davies

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