Konzerte & Party

Fünf Minuten mit Sido

Es klingelt am anderen Ende der Leitung. Ein Aggro-Angestellter hebt ab. „Hallo? (…) Moment, ich verbinde dich mit Sido. (singend) Dingelingdidingdong. (imitiert Computerstimme) Sie werden verbunden. Sie werden verbunden …“

Offensichtlich herrscht gute Stimmung in Ägypten. Da treibt sich Sido gerade mit seiner Entourage herum, wegen der Dreharbeiten für die Castingshow „Popstars“. Dann ist der Rapper selbst am Telefon, ebenfalls in bester Laune: „Du schreibst für den ,titt‘? Mit Doppel-T hinten?“

Sido, das ehemalige Ghettokid aus dem Märkischen Viertel, das „super-intelligente Drogenopfer“, das eigentlich Paul Würdig heißt, hat gerade sein drittes Album „Ich & meine Maske“ veröffentlicht. Sido hat es geschafft. Vom Straßenkind zum Superstar.
Sido ist 27 Jahre alt und seine Schulzeit Geschichte. Trotzdem sind Schule, vernachlässigte Teenager – und Sex – immer wieder Thema seiner Songs. „Ich rappe über das, was ich tagsüber erlebe. Da kann auch eine unterschwellige Line über Mütter, die ihre Kinder in die Mülltonne schmeißen bei rauskommen. Da würde ich nie einen ganzen Song drüber machen, aber ’ne Line. Obwohl’s nicht witzig ist. Das ist halt meine Art, das zu verarbeiten.“

Vielleicht macht Sido ja die Musik, die ihm früher gefehlt hat? „Klar. Ich mach Musik, die ich selber gern hören möchte.“ Und das gelingt ihm seiner Meinung nach so gut, dass er sich regelmäßig fragt: „Wann kommt endlich einer, der mir das Wasser reichen kann?“ Und: „Wer riecht hier so gut? Bin ich das?“


Selbstironie und Größenwahn – eine geniale/herrliche Mischung. Dass ihm HipHop-Scheuklappenträger kommerziellen Ausverkauf vorwerfen, ist Sido Schnuppe. Ihm geht es um „Entertainment! Ich will unterhalten, zum Nachdenken anregen.“ Oh, das war jetzt aber ernst. So kann das Interview nicht enden. Schnell noch einen Sido-Witz: „Ein bayerisches Tier mit A? A Hirsch!“



Text:
Olga-Louise Dommel

Sido Postbahnhof,
So 21.9., 19.30 Uhr, VVK: 22 Ђ

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