Konzerte & Party

Für den Umweltschutz: Das Club Consult Projekt

Strampeln für Strom

Da ist er wieder, der gute alte „Atomkraft? Nein Danke“-Button. Der Slogan prangt auf Umhängetaschen, Jeansjacken und Facebookprofilfotos, irgendwie retro, freundlich, cool. Doch wenn man nachts in die Clubs schaut, wird das süße Accessoire schnell an der Garderobe abgegeben, scheint vergessen, dass ganz am Ende der Stromleitungen eines Atomkraftwerkes auch das DJ-Pult hängt.
Seit einiger Zeit schon, noch vor Tsunami und drohender Kernschmelze auf der anderen Seite des Globus, hat die Club Commission ein Projekt angeschoben, das sich um Nachhaltigkeit in den Berliner Clubs kümmern soll. In den kommenden Wochen wird es eine ganze Reihe von Workshops für Clubbetreiber und Partyveranstalter geben. Club Consult heißt das Projekt. Und schaut man auf die Zahlen, scheint es dringend an der Zeit zu sein: Die Green Music Initiative, eine in Berlin ansässige Plattform, die Klimaschutz in der Musik- und Entertainmentbranche deutschlandweit voranzutreiben versucht, hat herausfinden lassen: Ein durchschnittlicher Club verbraucht im Jahr so viel Strom wie 40 Kleinfamilien, das entspricht einem CO2-Ausstoß von 90 Tonnen. Kein Wunder also, dass Club Consult mit 100?000 Euro vom Senat mitfinanziert wird. Hauptsponsor ist die Initiative für Musik, die wiederum vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert wird.
In den Workshops wird es zunächst um eine Bestandsaufnahme gehen. Basisarbeit. Die Club Commission hat einen Fragebogen zusammengestellt, auf dem die Grundsatzfragen abgehakt werden: Wie heizt Ihr? Wie hoch sind die Stromkosten? Welchen Anbieter habt Ihr? Es muss da besondere Konzepte geben für die Clubs, die alle so unterschiedlich sind, vom Kellerladen bis hin zur Fabrikhalle. Nur wenigen Clubbesitzern gehört das Gebäude, in dem ihr Laden liegt. Da wird niemand anfangen, Solarzellen aufs Dach zu stellen. Und wo Mietverträge oft allenfalls Zwischennutzungen garantieren, wird auch niemand nachhaltig planen, sondern vor Umbauten zurückschrecken, die zwar auf Dauer jede Menge Energie sparen, zunächst jedoch einen Kredit erfordern.
Ein Club in BerlinAlso beginnt man mit den ganz simplen Dingen, die etwa das Kaffee Burger bereits vormacht. Hier hat man Zeitschaltuhren an den Kühlschränken angebracht. Wo nicht an jedem Abend in der Woche geöffnet ist, müssen auch nicht permanent Bierflaschen kalt stehen. Die Club Commission will außerdem Energieberater vermitteln, die jeden Club individuell abklopfen auf Sparmöglichkeiten. Geplant sind auch Rahmenverträge mit Ökostromanbietern oder eine spezielle Clubsoftware, die die Büroarbeit effizienter macht, sodass zum Beispiel nicht mehr stapelweise Unnützes ausgedruckt werden muss.
Die Nachhaltigkeitsdebatte kommt spät an in der Clubwelt, und sie kommt zögerlich. Lutz Leichsenring, Sprecher der Club Commission, erklärt das so: „Die Clubszene besteht aus Individualisten, Künstlern, Autodidakten.“ Das Ungeplante, Spontane ist dem Nachtleben eingraviert. Der Club Commission geht es also erst einmal darum, überhaupt ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen. Leichsenring ist überzeugt, dass man die Clubs nicht zuletzt über die finanziellen Aspekte ins Boot holt. Denn mehr noch als Altruismus würde in einer Stadt, in der sich derart viele Clubs wirtschaftliche Konkurrenz machen, das Geldsparen als Nebeneffekt umweltbewussten Handelns zum Anreiz werden.

Text: Anne Lena Mösken

Foto oben: Benjamin Pritzkuleit

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