Konzerte & Party

Gang Of Four im C-Club

Gang Of Four

Es war schon ein ungewöhnlicher Anblick, der sich während des letzten Berlin-Festivals beim Auftritt von Gang Of Four bot. Die Besucher wurden mit einer rebellischen Energie und unwirschen Art konfrontiert, die es bei jüngeren Bands so gar nicht mehr gibt. Sänger Jon King schlug mit einer Keule so lange auf ein Mikrowellengerät ein, bis es in alle Einzelteile zerlegt war. Gitarrist Andy Gill war ebenfalls nicht zu halten, er zerfräste jeden Anflug von Wohlklang. Die Rhythmusgruppe unterlegte das Treiben mit robustem Funk-Rock. So etwas hatte man lange nicht gehört. Im Grunde genommen seit den ersten drei epochalen Alben von Gang Of Four aus der ursprünglichen Ära des Post-Punk nicht mehr. „Das war damals eine ganz andere Zeit“, gibt Gill zu bedenken. „Wir wurden von einem linken Kunstprofessor inspiriert, der die radikalsten Ideen im ganzen Land hatte. Draußen stand man fast vor einem Bürgerkrieg, weil sich die Regierung und Gewerkschaften feindselig gegenüberstanden. Es gab Rassenunruhen. In harmlosen Pubs tauchten regelmäßig rechte Schläger auf. Zu allem Überfluss hatten wir überhaupt kein Geld. Unsere Instrumente und Geräte haben wir zum Teil selbst gebaut.“
Was unter diesen schwierigen Bedingungen aufgenommen wurde, hat nachfolgend ganze Musikgenerationen begeistert. Die Red Hot Chili Peppers oder R.E.M. sind ebenso Fans wie eine ganze Schar von Epigonen aus dem letzten Jahrzehnt. Sie alle machten das einst in Leeds gegründete Quartett neben Joy Division zur meist zitierten Band des Post-Punk. Der Zuspruch hat Gang Of Four animiert, noch einmal nachzulegen. Den Stein ins Rollen brachte letztendlich der Beginn der Wirtschaftskrise vor zwei Jahren. „Viel zu viele Leute hatten sich über alle Maßen Geld geliehen und so getan, als sei es die normalste Sache auf der Welt. Dann brach alles zusammen und plötzlich fragten sich alle: Was passiert jetzt eigentlich, wo wir alle Schulden haben?“, erinnert sich King. Gang Of Four gehören zu den Bands, die solche Themen ansprechen können, ohne wie politische Prediger zu wirken. Mit dem Album „Content“ liefern sie Gedankenanstöße. Sie verstehen sich als Inhaltsanbieter. Und deren Texte kann man sich auch dann noch anhören, wenn die Tagesaktualität eine andere ist.

Text: Thomas Weiland

Gang Of Four, C-Club, Sa 26.3., 20 Uhr, VVK: 25 Euro

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