Konzerte & Party

„The Gaslight Anthem“ im Kato in Kreuzberg

The Gaslight AnthemWürde man einer Truppe Fil­me­macher die Songliste von Gaslight Anthem als Ideengeber vorlegen, es kämen vermutlich sehr ähnliche Streifen heraus. „Great Expectations“, „Old White Lincoln“, „The Backseat“, „High Lone­some“ heißen die flammenden Songs der Band aus New Jersey. Wem dann noch immer keine Bilder für die Leinwand einfallen, dem hilft das Quartett sicherheitshalber mit ein paar Nummern nach, „Film Noir“ oder „Here’s Looking At You, Kid“. Überhaupt ist die Welt, die The Gaslight Anthem in ihren drängelnden, rauen Songs festhalten, eine in Schwarz und Weiß. Wenn es da etwas fein auszupegeln gibt, dann bloß der Level der Kontraststärke: zwischen akustisch eingeschrammelten Takten, die klingen wie an einer Straßenecke aufgeschnappt, und ins Weite hinausstürmenden Refrains. Dann wird Raspelkehle Brian Fallon von gebrüllten Harmonien seiner Hinterleute flankiert – und klingt ein bisschen so, als habe sich Bruce Springsteen in einen Probekeller am Stadtrand von New Jersey verirrt. Die Helden, die durch das zweite Album „The ’59 Sound“ geistern, sind dabei nicht mal andere als für zahllose junge Gitarrenbands: Springsteen, Social Distortion, The Replacements. Und sieht man die vier Kerle auf Pressefotos, wie sie in Sneakers, Jeans und mit flammenden Herzen auf den Oberarmen in tristen Hinterhöfen herumsitzen, dann ist es kaum möglich, sich jeden Einzelnen zu merken. Der Band ist das vermutlich selbst nicht wichtig; sonst könnten sie ebenso gut mit Wallebärten und Pelzmänteln posieren, so wie die Kollegen The Killers. Denen schwebte vor drei Jahren mit ihrem betont auf American Classic getrimmten Album „Sam’s Town“ wohl etwas Ähnliches vor, wie Fallon und Co. das nun sehr lässig mit „The ’59 Sound“ gelungen ist: eine romantische, raue Scheibe, vollgepackt mit Melodien, die so formschön abziehen wie der alte Ford Lincoln, der in einem ihrer Stücke besungen wird.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Lisa Johnson

The Gaslight Anthem + Frank Turner + Polar Bear Club, Kato, Mi 11.2., 21 Uhr, VVK: 13 Euro.
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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