Konzerte & Party

#gaystorm

Hagen Liebing: Na hören Sie mal!Einen kurzen Moment lang fühlte ich mich als Musik-Mensch den Freunden aus der Fußballwelt mal so richtig überlegen: Was dort infolge des Outings von Profi-Kicker Thomas Hitzlsperger für ein Gaystorm losbrach, was da von den Medien für ein Abgrund längst überwunden geglaubter Ressentiments und Phobien aufgezeigt wurde, während in der Musik das Schwul- oder Sexuell-ambivalent-Sein doch seit Jahrzehnten weniger einen Makel, sondern eher das gewisse Etwas (Bowie, Bolan, Boy George, Lady Gaga) ausmacht!

Meine Selbstgefälligkeit wollte jedoch nicht sehr lange anhalten. Plötzlich fielen mir die schwulenfeindlichen Tiraden Bushidos oder des Reggae-Sängers Sizzla ein oder menschenverachtendes Gezeter von US-HipHop–Homies. Ich habe mich also geirrt, Homophobie findet sich doch nicht vornehmlich in bestimmten Gesellschaftsbereichen, während andere ausgeprägte Toleranz-Bastionen darstellen. In einem Land, wo Menschenrechte zur Verfassung und Toleranz zum Bildungskanon gehören und wo schwule Politiker sich längst nicht mehr verstecken, können die Ursachen für Homophobie nun wirklich nicht allein daran festgemacht werden, dass Männer (oder auch Frauen) nach dem Fußball gemeinsam duschen, nach der Bundestagssitzung oder einer Vernissage hingegen eher nicht. Es handelt sich vielmehr – und wie so oft – um einen Mangel an Intelligenz und Bildung. Und dieser Mangel ist leider fast überall anzutreffen. 

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