Kommentar

„Gema-Gruft“ von Stefan Hochgesand

Eine neue Zahl aus der Statistik hat mich heute aufhorchen lassen.

Stefan Hochgesand

Nicht so sehr, dass sich 71 Prozent der Jugendlichen für ­Musik begeistern und Musik damit das wichtigste Freizeitinteresse ist. Das soll uns hier im Musik­ressort nicht überraschen. Überwältigt hat mich viel mehr, dass (laut repräsentativer Umfrage) 8,7 Prozent aller Menschen in Deutschland bereits die Musik für ihre Bestattung ausgesucht haben. Blumen- oder gar Sarg-Auswahl sind offenbar weniger wichtig: Nur halb so viele haben sich da festgelegt. Verschwindet ja auch rasch six feet under, wohingegen die Musik mitbestimmt, in welcher Stimmung unsere Liebsten von uns Abschied nehmen. It’s all over now, Baby Blue.
Technische Frage: Fallen für die Musik bei der Beerdigung eigentlich Gema-Gebühren an? Ein ­Anruf in München macht mich schlauer: Wer katholisch oder evangelisch sei, dem sponsere die Kirche die Musik. Fair enough. Bin ich aber nicht. Ansonsten gelte der Vergütungssatz „WR-Best“ (kein Witz): 15 Euro. Natürlich nur, wenn der Komponist erst vor weniger als 70 Jahren gestorben ist. Sprich: Beatles bitten zur Kasse, Bach gibt’s für umme. Let it be.
Mit der Gema haben auch gerade die Musikverlage ihre lieben Sorgen: Die bekommen nämlich nach einem Berliner Urteil (das zum Präzedenzfall werden könnte) womöglich keine Gema-Einnahmen mehr. Die gehen dann vollends an die Texter und Komponisten. Was wiederum deren Interesse heben könnte, bei Beerdigungen gespielt zu werden. Ein gruftiges Geschäftsmodell?

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