Konzerte & Party

Gentleman Cowboy Lyle Lovett in der Passionskirche

Lyle LovettIntelligente Texte, trickreich, herzgefühlt und zumeist gespielt von einer stilübergreifenden Großband. Nach langer Zeit nun auch wieder in Deutschland

tip 1992 waren Sie in ungewöhnlicher Konstellation in der Wuhlheide. Sie standen neben Bonnie Raitt, Lou Reed und den Violent Femmes auf dem Plan.
Lyle Lovett Wenn ich hier in den USA den Leuten davon erzähle, glaubt es mir kein Mensch: Ich und Lou Reed? Das blieb für mich bis heute eine große Ausnahme. Die Hauptschwierigkeit während meiner ganzen Karriere ist die Tatsache, dass keiner meine Musik und meine Platten richtig einzuordnen weiß. Sie sind nicht Country, nicht Soul, nicht R & B, und doch haben sie von allem etwas.

tip Angefangen haben Sie als klassischer texanischer Front-Porch-Singer/Songwriter im Stil von Guy Clark und Townes Van Zandt. Dann haben Sie schon bald die Country-Grenzen in Richtung Jazz, R & B und Gospel gesprengt. Welchem Stil sind Sie denn nun verpflichtet?
Lovett Performer wie Ry Cooder und Bonnie Raitt, Songwriter wie Randy Newman, nichtlineare Denker wie Tom Waits haben mir quasi die Erlaubnis für das gegeben, was ich mache. Ihr Vorbild hat es mir möglich gemacht, über vertraute Genregrenzen hinaus alles zu denken und etwas Neues entstehen zu lassen. Wer im Erfinderbusiness aktiv ist, muss Spaß daran haben, das Unmögliche möglich werden zu lassen, muss die Kraft der Imagination wirklich leben.

tip In vielen der letzten Robert-Altman-Filme konnte man Sie auch als Schauspieler sehen. Ist das vorbei?
Lovett Ich habe in letzter Zeit weniger Filme gemacht. Aber das ist genauso wenig geplant wie die produktive Zeit davor. Ohne Robert Altman wäre ich auch nie zum Film gekommen. Er kam nach einem meiner Konzerte in L. A. 1990 auf mich zu und fragte, ob ich in seinem nächsten Film „The Player“ mitmachen wollte. Und danach fragte er mich immer wieder, bis ich für „Dr. T & The Women“ sogar die ganze Musik beisteuerte. Das war großartig und unterm Strich eine viel intensivere Zusammenarbeit als in der Schauspielerei. Musik war immer meine Hauptsache, und wenn mich jemand fragt, ob ich bei einem Film dabei sein will, freut es mich, aber ich forciere es nicht. Mein letzter Film war 2008 „The Open Road“ von Michael Meredith mit Jeff Bridges und Justin Timberlake, mit dem ich sogar eine gemeinsame Szene hatte. Ich mag seine Musik.

tip Sie sind nicht nur für gut sitzende Armani-Anzüge bekannt, sondern zeigen sich auch gerne mit ausladenden, stolzen Cow­boy­hüten. Spätestens seit George W. Bush hat das Image des Cowboys aber schwer gelitten. Glauben Sie noch an seine Relevanz?  
Lovett Unbedingt. Der Cowboy ist ein wichtiger Bestandteil der amerikanischen Geschichte. Mit seinem Bild verbindet sich eine starke Vorstellungskraft, und er ist eine wichtige Figur in der Entwicklung des amerikanischen Westen. Er ist auch keineswegs ausgestorben: Es gibt immer noch große Ranches, die den Cowboy beschäftigen, der hoch zu Ross die Herde zusammenhält. Das ist heute sicher nicht mehr die einzige Art, eine Ranch zu führen, aber ich bewundere alle, die diese Tradition lebendig halten. Die  ihren Pferden eigene Brandzeichen geben, sie mit zwei Jahren zureiten und sie lehren, vertrauensvoll mit dem Vieh zu arbeiten.  Es hängt viel damit zusammen, ein echter Cowboy zu sein, und nicht nur in Texas, sondern überall im Westen. Damit verbindet sich Handwerk und Tradition, eine ganze Kultur, die von Generation zu Generation, von Cowboy zu Cowboy weitergegeben wird.

tip Ein starkes Symbol …
Lovett Sicher, diese Weitergabe von Wissen ist vergleichbar mit der Weitervermittlung von Musik. Ich respektiere das ganz außerordentlich. Mit Pferden und mit Vieh zu arbeiten ist eine Parallele zur Musik und eine Parallele zum Leben ganz allgemein. Alles, was du in deinem Leben wirklich ernsthaft betreibst, lehrt dich jeden Tag etwas Neues.

Interview: Christine Heise

Lyle Lovett (mit Russell Kunkel/Drums, Percussion, Viktor Krauss/Bass, Keith Sewell/Guitar), Passionskirche, Mi 25.3., 20 Uhr, VVK: 39 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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