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Get Well Soon: The Scarlett Beast O’Seven Heads

GetWellSoonSie zog sich musikalisch schon durch die ersten beiden Alben des Multiinstrumentalisten aus Oberschwaben. Sein drittes Album „The Scarlett Beast O’Seven Heads“ (City Slang) klingt nun gänzlich wie eine großherzige Hommage an persönliche Filmmusikklassiker: an Ennio Morricone, Bernard Herrmann, Wendy Carlos oder die Progrock-Soundtracks von Dario Argentos Horrorfilmen. Eine Verbeugung vor dem römischen B-Movie-Altmeister ist allein der monströse Album-Untertitel, der an angestaubte VHS-Kassetten in dämmerigen Videotheken erinnert: „La Bestia Scarlatta Con Sette Teste“. Anklänge an rotstichiges Mitternachtskino ziehen sich durch die Songsuite, die Gropper wie gewohnt in Eigenregie und mit Hilfe von Gästen in seinem Mannheimer Studio produziert hat.

Orchesterinstrumente wie Cembalo, Querflöten, Glocken oder Pauken verströmen einen Mix aus dandyhafter Dekadenz und gepflegtem Spukschloss-Trash; Vibrafon und honigsüße Frauenchöre beschwören die gefährliche Sinnlichkeit von Hitchcocks späten Farbfilmen herauf („Prologue“). Neben epischen Stücken wie der Spaghetti-Western-Stilübung „Roland, I Feel You!“ fügt der Bandleader auch elegante Miniaturen ein wie das Endzeit-Tänzchen „The Last Days Of Rome“ oder das an „Clockwork Orange“ angelehnte Synthie-Zwischenspiel „Dear Wendy“. Die Fülle an Zitaten und Referenzen behandelt Gropper durchweg wie mit Samthandschuhen. So erzählstark ist die Musik allein, dass sich der 29-Jährige als Sänger zurücknehmen kann, mit seinem weichen Bariton keine schwergängigen Philosophien, sondern nur Andeutungen ins imaginäre Endzeitkino einwirft. Erstmals strahlt eine Get-Well-Soon-Platte dabei gar so etwas wie Leichtigkeit aus.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert

Get Well Soon, „The Scarlett Beast O’Seven Heads“ (City Slang)

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