Konzerte & Party

Gil Scott-Heron in der Maria

GilScot-HeronWer weiß, was gewesen wäre, wenn es ihn nicht gegeben hätte. Ohne ihn und seinen Sprechgesangsprototyp wäre vielleicht niemand Rapper geworden. Ohne ihn und seine engagierten Worte hätten viele Menschen wahrscheinlich nicht gemerkt, dass auch Benachteiligte eine Stimme haben. Gil Scott-Heron war ein Vordenker und Vorbild. Ein weiser Mann, poetisch veranlagt, aufgewühlt, mit Feuer im Herzen und doch stets besonnen. Ein Grenzgänger, der aus Soul, Funk, Jazz und freier Rede ein mitreißendes Amalgam formte und daraus in den Siebzigerjahren „Pieces Of A Man“ und „Winter In America“ machte, zwei Platten für die Ewigkeit.
Scott-Heron hätte eine große Figur werden können, nicht nur in der Musik. Der Sohn des ersten schwarzen Fußballers von Celtic Glasgow und einer Sängerin ist aber Künstler. Ein echter Künstler. Und die sind eigenartig und machen Fehler. Scott-Heron machte gleich so viele, dass er abstürzte. Seine aus der Beobachtung entstandenen Songs „The Needle’s Eye“ und „The Prisoner“ verwandelten sich in eine traurige prophetische Wahrheit für sein eigenes Leben. Er kam wegen Drogenbesitzes mit dem Gesetz in Konflikt und musste ins Gefängnis von Rikers Island. Die Abhängigkeit lähmte Körper und Geist, 16 Jahre lang gab es kein neues Studioalbum von ihm.

Doch nun ist es endlich da. „I’m New Here“ offenbart eine zerschundene Seele. Die Stimme ist durch Konsum von allerlei Gift brüchig geworden. Robert Johnsons „Me And The Devil“ hört sich bei Scott-Heron so intensiv und authentisch an wie das uralte Original. Songs und Rezitationen wirken zusammen genommen wie ein Resümee. Wie Notizen eines Mannes, der auf die Endgerade des Lebens eingebogen ist und noch mal Rechenschaft ablegt. Gänsehaut pur.

Text: Thomas Weiland

Foto: Mischa Richter

Gil Scott-Heron, Maria, Do 13.5., 20 Uhr, VVK: 28 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

Mehr über Cookies erfahren