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Girls in Hawaii im Lido

Girls in Hawaii

Nach einem Berg haben Girls In Hawaii ihr neues Album benannt: „Everest“, dem höchsten. Auf Bergspitzen ist man dem Himmel bekanntlich näher, ein Gedanke, der zur bittersüßen Grundstimmung der Platte passt, die das Sextett im Andenken an ihren 2010 bei einem Autounfall tödlich verunglückten Schlagzeuger Denis aufgenommen hat, dem jüngeren Bruder von Bandkopf und Sänger Antoine Wielemans. Nach dem Horrorereignis befand sich die Band lange im Starrezustand. Erst ein zeitweiliger Umzug von Antoine ins grüne Umland legte 2012 das Fundament für ein Album, das sich mit Abschied und Trauer beschäftigt und mit hellen Erinnerungen. „Here I Belong“ ist ein seufzendes, intimes Stück über Zeiten, in denen alles noch gut war; das leichtfüßige „Misses“ ist eine träumerische Hommage und ein feiner Ohrwurm, „Not Dead“ klingt wie ein strahlender, folkgefärbter Hymnus. Sphärische Synthesizer kommen verstärkter als zuvor ins Spiel, als spacige oder wehmütige Stimmungsfarben, und in „Mallorys Hights“ lassen sich Girls In Hawaii erstmals durch psychedelische Wechselwetter treiben: Ein kreisendes Piano entführt in einen ähnlich düster-schönen Halbwachzustand wie Portisheads „The Rip“, und irgendwo rumort ein Gewitter. Der Song bezieht sich übrigens auf das Schicksal des britischen Bergsteigers George Mallory, dessen Spur sich in den Zwanzigern am Mount Everest verlor, nur kurz vor dem Gipfel. Das Glück und seine Zerbrechlichkeit – Girls In Hawaii haben dem Thema ein ganzes Album gewidmet.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Simon Vanrie

Girls in Hawaii + BRNS, ?Lido, Mo 27.1., 21 Uhr, VVK:?16?Euro?zzgl.?Gebühr

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