Konzerte & Party

Glen Hansard in der Zitadelle Spandau

Manchmal wird Glen Hansard nachdenklich. Wer weiß, wie sein Leben heute aussehen würde, wenn er keinen Oscar bekommen hätte, 2008 für „Falling Slowly“, den Song aus dem Indie-Film „Once“ mit seiner damaligen Freundin Markйta Irglovб. Dann hätte die Karriere des Songwriters mit der Reibeisenstimme und den großen Sehnsüchten nicht derart an Fahrt aufgenommen. Womöglich, so sinnierte er unlängst, wären Irglovб und er noch ein Paar mit eigener Band, The Swell Season. Doch die vielen Möglichkeiten, die sich seit „Once“ für die beiden talentierten Songwriter boten, belasteten die Beziehung. Während die gemeinsame Band also Geschichte ist, hat Hansard sein Solodebüt gegeben. Das 2012 erschienene Album ist ein sehr später Erstling für einen, der professioneller Musiker ist, seit er 13 ist: ein Schulabbrecher, der sich in den Straßen von Dublin sein Geld verdiente und der mit seiner Folk-Rock-Band The Frames in der irischen Heimat seit 20 Jahren verehrt wird. Sein Album „Rhythm and Repose“, aufgenommen im Anschluss an eine Live-Session in Hansards Teilzeitheimat New York, zeigt den 43-Jährigen von seiner introvertierten und leiseren Seite, er verkuppelt seine Charakterkehle mit Klavier, Streichern oder Slide-Gitarre und schlägt den warmen Ton von 70er-Folk-Rock an. Bei den weich tönenden Songs denkt man an das Runterkommen nach einer wilden Feier, durch nicht wenige Songs zieht sich das Thema des Überstehens einer gescheiterten Liebe. „Markйta is in there“, hat Hansard bekannt. Seine Solosongs erinnern also nicht von Ungefähr an die traurige Abspannmusik nach dem Film, kurz bevor das Saallicht angeht.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Conor Masterson

Glen Hansard, Zitadelle Spandau, Mo 12.8., 19 Uhr, VVK: 27 Euro

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