Konzerte & Party

Die Crystal Stilts am Dienstag im Bang Bang Club

In ConcertEs lässt sich vortrefflich darüber streiten, ob man sich im Winter bei grauem Himmel und nasskalter Witterung ausgerechnet einen Typen anhören soll, der auf der nach oben hin offenen Missmutsskala ungefähr zwischen Ian Curtis und Jim Reid rangiert. Brad Hargett ist Sänger von Crystal Stilts, stammt ursprünglich aus Florida und hört sich an, als habe er es wegen einer Sonnenphobie immer nur tief unten im Keller ausgehalten. Aber genau das macht seine Magie aus.
Crystal Stilts sind eine der großen Entdeckungen dieser Tage. Sie erinnern an eine Ära, als im Rock noch romantische Nischen der Glückseligkeit existierten. Als Musiker den Affront wagten und den Hörer vor Rätsel stellten. Als Labels wie Creation und Flying Nun den Weg aufzeigten und The Jesus And Mary Chain/Shop Assistants die Schönheit ihrer Songs lärmverliebt sabotierten. Nehmen wir „Prismatic Room“, wo Hargett mur­melt, das Schlagzeug wie bei Mo Tucker scheppert und die Gitarre schrammelt. Aber dann ist da noch diese käsige Casio-Orgel. Ihre versöhnlichen Akkorde schla­gen eine gleißende Lichtschneise durch das Tal der Trübsal und lassen an das Bessere auf dieser Welt glauben. Man will erst ein Stück davon, dann noch etwas mehr, bis man irgendwann süchtig ist. Glorreiche Überrumpelung.
Zusammen mit den ebenfalls formidablen Vivian Girls sind Crys­tal Stilts absolute Aktiv­pos­ten im hemmungslos plündernden „C86“-Retroramschladen Brook­lyns. Hier haben die Amis sogar den Briten einiges voraus. Ihr wun­derbar minimaler Garagensound zeigt, wie es geht, und entlarvt den zu durchkonzipiert wirkenden Stil von Glasvegas als Mode-Hokuspokus.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Verlässlich gut

Crystal Stilts, Bang Bang Club, Di 10.3., 21 Uhr, VVK: 8 ¤
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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