Kommentar

„Goldjungs“ von Julia Lorenz

Klingt doch stark: Wir bekommen unseren eigenen Mercury Price. Einen Pop-Award, der Künstler für kulturelle Relevanz statt für Tonträgerverkäufe auszeichnet.

Julia Lorenz

Als Alternative zum von Musikliebhabern leidenschaftlich verachteten „Echo“ soll nun am 9. September zum ersten Mal der „Preis für Popkultur“, gefördert vom Musicboard, im Tempodrom verliehen werden. Als Live-Acts bestätigte man eine kuriose Künstler-Zusammenstellung: Wave-Darling Drangsal und die „Alles Grau“-Rocker Isolation Berlin spielen neben Stadionfüllern wie Bosse und Casper. Alle jung, alle angesagt – alle männlich.
Schnell regte sich Kritik in den sozialen Netzwerken: Wie könne man diesen mangelnden Willen zur Repräsentation mit dem progressiven Anspruch des Spektakels vereinen? Thorsten Groß, Ex-Spex-Chefredakteuer und Teil der über 300-köpfigen Jury, verteidigte das Line-Up auf Facebook: „Grundsätzlich ist das Problem ja bekannt, da können wir leider auch nicht von einem auf den anderen Tag die bestehenden Verhältnisse ändern.“ In den letzten zwölf Monaten hätten nun einmal weniger Künstlerinnen als Künstler Platten veröffentlicht – „und wir wollen schon Leute auftreten lassen, die das Jahr in irgendeiner Weise geprägt haben aus unserer Sicht“, so Groß. Aha! Dann müssen tolle Platten wie „Pop & Tod I+II“ von Die Heiterkeit und Künstlerinnen wie Helena Hauff – Letztere immerhin nominiert für den Preis – wohl untergegangen sein. Mittlerweile ergänzen übrigens zwei Frauen das Line-Up: das Duo mit dem schönen Namen Boy.

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