Konzerte & Party

Gonjasufi im Gretchen

Gonjasufi

Man kennt das: Erst geschieht eine Ewigkeit nichts, und plötzlich kommt alles auf einmal. Im Falle von Sumach Ecks alias Gonjasufi lief es gerade prima als Yogalehrer nahe Las Vegas. Doch plötzlich meldete sich die Plattenfirma Warp. 2010 war das, als das Londoner Dance-Label die verschrobenen Downbeat-Philosophien des Mannes zu den entschleunigten Klängen der Producer Flying Lotus und The Gaslamp Killer veröffentlichte. Das Debütalbum „A Sufi And A Killer“ entwickelte sich zum Indie-Coup; die Verbindung aus Lo-Fi-Ästhetik und frei kreisenden Weltbetrachtungen aus Ecks‘ angeschmirgelter Soulkehle erinnerten an dunkle Gossenpoesie а la Tricky. Inzwischen erscheinen selbst in der alten Heimat San Diego große Zeitungsartikel über den verlorenen Sohn der Stadt, der seine Jugend annähernd unbemerkt im Kreise von Skatern zubrachte, wo er zu den Bässen der Boombox rappte. Doch auf die CDs, die der Spross äthiopisch-mexikanischer Eltern dort verteilte, gab es nie Resonanz. Dagegen erhöhte sich Ecks‘ Drogenkonsum bedenklich; was so weit ging, dass der Rapper Stadt und Crew hinter sich ließ und Richtung Mojave-Wüste zog. Seither hat sich sein Veröffentlichungstakt beschleunigt; unlängst legte er eine am Hip-Hop der alten Tage angelehnte Gratis-EP vor, gefolgt von dem Mini-Album „MU.ZZ.LE“. Darauf befinden sich Formen und Genres noch radikaler als zuvor in freier Auflösung, Ecks‘ Verse werden nur noch von fließender Melodik und seinem rauen Straßenblues-Tim­bre zusammengehalten. Damit tourt der Mittdreißiger jetzt als eine Art Elektro-Schamane durch Europa. Bei seinen Yogaklassen lässt er sich so lange vertreten.

Text: Ulrike Rechel

Gonjasufi, Gretchen, Mi 20.6., 21.30 Uhr, VVK: 17 Ђ

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